Volltext : Köhler, Helmut: ¬Der relative Schul- und Hochschulbesuch in der Bundesrepublik Deutschland 1952 bis 1975

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So  hat  zum  Beispiel  der  stark  besetzte  Geburtsjahrgang  1940
die  Grundschule  in  der  unmittelbaren  Nachkriegszeit  durchlaufen,
das  heißt  in  einer  Periode,  die  gekennzeichnet  ist  durch  Besetzung, -
  zerstörte  Städte,  wirtschaftliche  Not,  Kriegsgefangenenund -
  Flüchtlingsprobleme  sowie  Versuchen  der  Besatzungsmächte,
ein  neues  Bildungssystem  zu  errichten.  Die  Übergangsentscheidungen -
  nach  der  Grundschule  wurden  in  einer  Zeit  gefällt,  in
der  Flüchtlingsprobleme,  Arbeitslosigkeit  und  politische  Unsicherheit -
  noch  eine  entscheidende  Rolle  spielten.  Gleichzeitig
war  der  Lehrermangel  an  den  weiterführenden  Schulen  noch  sehr
stark,  so  daß  Kapazitätsengpässe  zu  einer  relativ  starken
Auslese  zum  Beispiel  durch  Eintrittsprüfungen  geführt  haben
dürften.
Der  Übergang  von  der  Sekundarstufe  I  ins  Erwerbsleben  vollzieht
sich  Mitte  der  fünfziger  Jahre  in  der  Zeit  beginnenden  wirtschaftlichen -
  Aufschwungs  und  Abbaus  der  Arbeitslosigkeit.
Die  Übergangsentscheidungen  zur  Hochschule  -  Anfang  der  sechziger -
  Jahre  -  waren  noch  nicht  durch  die  Bildungsnotstandsdiskussion -
  oder  durch  Kapazitätsengpässe  und  (offene)  Selektion
beim  Hochschulzugang  beeinflußt.
Der  außergewöhnlich  schwach  besetzte  Geburtsjahrgang  1945
stand  dagegen  schon  in  einer  völlig  anders  geprägten  Periode
an  der  Schwelle  zum  Übergang  nach  der  Grundschule.  Die  schulischen -
  Verhältnisse  hatten  sich  -  nicht  zuletzt  durch  sinkende
Jahrgangsstärken  -  ständig  verbessert  und  das  Bildungssystem
hatte  sich  in  seiner  Struktur  bereits  gefestigt.  Die  Perspektiven -
  auf  dem  Arbeitsmarkt  waren  erstmals  günstig,  das  heißt
der  frühzeitige  Übergang  ins  Erwerbsleben  war  relativ  attraktiv.
Gleichzeitig  haben  die  weiterführenden  Schulen  sicher  ihre
Zugangsbedingungen,  zum  Beispiel  Prüfungsanforderungen,  reduzieren -
  müssen,  um  Kapazitäten  auszulasten.  Der  Übergang  von
der  Sekundarstufe  I  ins  Erwerbsleben  fällt  dann  in  eine  Zeit
des  verstärkten  Arbeitskräftemangels  Anfang  der  sechziger
Jahre  mit  entsprechnd  günstigen  Arbeitsmarktbedingungen.  Auch
für  diesen  Jahrgang  dürften  Kapazitätsbeschränkungen  an  den
Hochschulen  keine  Rolle  gespielt  haben.
            
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