5 Fazit
problematischer Fälle aus der weiteren Analyse zu einer (vielleicht sogar erheblichen)
Steigerung der Gesamtdatenvalidität führen.
Allerdings schätzte Brückner (1995), dass für eine Studie unter Verwendung der Berufs- und
der Wohngeschichte der Ausschluss aller Fälle, bei denen mindestens eine fehlende oder
fehlerhafte Angabe vorliegt, einen Verlust der halben Stichprobe bedeuten würde (und das
sogar ohne Berücksichtigung der Überlappungsfehler, siehe Fußnote 47)! Da ausserdem zu
befürchten steht, dass sich solche "Multiproblembefragte“ systematisch von den weniger
problematischen Teilnehmern unterscheiden, könnte der Ausschluss darüber hinaus in einer
erheblichen Verzerrung der Stichprobe resultieren (siehe auch Klijzing und Prophet, 1998).
Diese verzerrenden Unterschiede können sowohl Eigenschaften der Multiproblembefragten
selbst als auch ihrer Lebensverläufe betreffen. Es wurde ja wiederholt gefunden, dass ein
gehäuftes Auftreten von Fehlern und Verschiebungen systematisch mit bestimmten
Merkmalen der Lebensgeschichte zusammenhängt.
Weder die referierte Theorie noch die zusammengetragenen Befunde erlauben also eine
eindeutige Absolution oder Verdammung retrospektiver Datenerhebung im Allgemeinen oder
der retrospektiven Erhebung von Lebensverläufen als bereichsspezifische Ereignissequenzen
in der LV im Besonderen. Aufgrund der Uneindeutigkeit der meisten Validitätsindikatoren
kann man ein abschließendes Evaluationsurteil nur schätzungsweise abgeben.
Über alle hier referierten Arbeiten aus allen Forschungstraditionen und -projekten findet sich
ein breites Spektrum evaluativer Einschätzungen durch die Autoren. Je nach retrospektivem
Intervall, Erhebungsmethode, Validierungsmethode und Stichprobe werden retrospektive
Angaben zwischen erstaunlich zuverlässig und völlig unbrauchbar eingeschätzt; das Spektrum
umfasst überraschte Begeisterung, vorsichtigen Optimismus, mahnende Vorbehalte zumindest
für bestimmte Inhalte und völlige Diskreditierung. Die Autoren aus dem Umfeld der LV
äußern sich, was die Erinnerungsfähigkeit und -willigkeit ihrer Teilnehmer angeht, in diesem
Spektrum vorsichtig optimistisch, bisweilen sogar begeistert?.
5 Kritischer werden teilweise die Interviewer und Interviewsituation sowie die Codierung und Dateneingabe
eingeschätzt.
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