Full text: Staudinger, Ursula M.: Handbuch zur Erfassung von weisheitsbezogenem Wissen

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Kontextualismus: Kenntnis von Lebenskontexten und ihrer zeitlichen (entwicklungsbezogenen) 
Einbettung; (d) Wert-Relativismus: Wissen um die Unterschiede in Werten und Lebenszielen 
und (e) Ungewißheit: Wissen um die relative Unbestimmtheit des Lebens und die Art, damit 
umzugehen (s. auch u. Tabelle 1; Baltes & Smith, 1990; Baltes & Staudinger, 1993). Von einer 
weisen Antwort sprechen wir dann, wenn auf allen fünf Kriterien hohe Werte vorliegen. 
Niedrigere Werte bezeichnen wir als weisheitsbezogenes Wissen. Die fünf Kriterien werden im 
folgenden näher beschrieben. 
1.2 Lebensplanung und Lebensrückblick als Beispiele für Aufgaben, deren Bearbeitung 
weisheitsbezogenes Wissen erfordert 
In unserer Forschung versuchen wir, Zugang zu weisheitsbezogenem Wissen zu 
bekommen, indem wir unsere Versuchsteilnehmer bitten, laut über das Lebensproblem einer 
fiktiven Person nachzudenken. Das Problem (Lebensplanung oder Lebensrückblick) der fiktiven 
Person ist in einem Aufgabentext kurz beschrieben, der den Teilnehmern vorgelegt wird. Im 
Falle der Lebensplanung steht die fiktive Person vor einer wichtigen Zu-kunftsentscheidung (z. 
B. Smith & Baltes, 1990; Smith, Staudinger & Baltes, im Druck), beim Lebensrückblick geht es 
um die Rekonstruktion und Bewertung eines Lebenslaufs (Staudinger, 1989; Staudinger, Smith 
& Baltes, 1992). Die Methode des lauten Denkens wurde aus der kognitiven Psychologie von 
Ericsson und Simon (1984) übernommen und für unsere Zwecke leicht adaptiert. Die Antworten 
zu diesen Aufgaben werden mit Hilfe der in Tabelle 1 aufgeführten Weisheitskriterien 
ausgewertet. 
Wir möchten darauf hinweisen, daß wir die Teilnehmer nicht bitten, über ihre eigene 
Lebensplanung, ihren eigenen Lebensrückblick oder ihre eigenen Entscheidungen zu sprechen. 
Unser Interesse gilt dem allgemeinen Wissen unserer Teilnehmer im Bereich fundamentaler 
Lebensfragen und nicht der Art und Weise, wie sie dieses Wissen in ihrem eigenen Leben 
umgesetzt haben. Natürlich ist zu erwarten, daß die Versuchspersonen ihre Antworten zumindest 
teilweise aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen formulieren werden.
	        
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