Full text: Staudinger, Ursula M.: Handbuch zur Erfassung von weisheitsbezogenem Wissen

21 
3. 
Auswerten der Antwortprotokolle 
3.1 
Kritenen der Bewertung weisheitsbezogenen Wissens 
Die Protokolle werden anhand der fünf in Tabelle 1 aufgeführten Weisheitskriterien 
ausgewertet. Die fünf Kriterien sind die spezifischen Merkmale von Wissen und Urteilen im 
Bereich der fundamentalen Pragmatik des Lebens. Wenn eine Antwort auf allen fünf Kriterien 
hohe Werte bekommt, bezeichnen wir sie als weise. Zwei der fünf Kriterien (Reiches 
Faktenwissen und Reiches prozedurales Wissen) sind nach unserem Verständnis wesentliche 
Bestandteile weisheitsbezogenen Wissens, in Anlehnung an die allgemeine Definition von 
Expertensystemen (z.B. Anderson, 1987). Faktisches und prozedurales Wissen sind 
Basiskriterien insofern als sie notwendig, jedoch nicht hinreichend sind, um Weisheit zu 
definieren. Die anderen drei Kriterien (Lifespan-Kontextualismus, Wert-Relativismus und 
Ungewißheit) sind Metakriterien. Sie sind spezieller und betreffen hauptsächlich den Bereich der 
fundamentalen Pragmatik des Lebens. Sie entstammen der Theorie der Lebensspanne (Baltes, 
1987), Entwicklungstheorien über das Denken im Erwachsenenalter (z.B. Alexander & Langer, 
1990 Labouvie-Vief, 1990) sowie den Bezeichnungen, deren sich die kognitive Psychologie 
bedient, wenn sie das Lösen komplexer Aufgaben beschreibt. Im folgenden werden für jedes 
Kriterium die charakteristischen Merkmale einer idealen Antwort ausführlich dargestellt. Die 
genaue Beschreibung einer idealen Antwort halten wir für sehr wichtig, da sie erstens die in 
Tabelle 1 aufgeführten Kriterien näher erläutert und zweitens beim anschließend dargestellten 
Rating-Verfahren als Vergleichsmaßstab dient. 
Tabelle 1: Kriterienkatalog 
Basiskriterien 
Reiches Faktenwissen über Lebensverlauf und Lebenslagen. 
1. 
2. 
Reiches prozedurales Wissen über das Umgehen mit Lebensproblemen. 
Metakriterien 
Lifespan-Kontextualismus: Kenntnis von Lebenskontexten und ihrer zeitlichen 
3. 
(entwicklungsbezogenen) Einbettung. 
Wert-Relativismus: Wissen um die Unterschiede in Werten und Lebenszielen. 
4. 
Ungewißheit: Wissen um die relative Unbestimmtheit des Lebens und die Art, 
damit umzugehen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer