Full text: Analyse moralischer Argumentationen - Interviewleitfaden, Tonbandtranskript und Auswertungsbeispiele (Anh.)

A 191 
Konflikt 5, Stufe 5 
kann. Ick würde 'n janz andern Weg geh'n, 
ick würde den beeden raten, doch viel¬ 
leicht bei ihr mal zu probier'n, ob man 
sie nich' freizeitmäßig aktivier'n kann 
und ihre Frustration und ihre unjenutzter 
Sachen in 'ner Form analysiert, daß sie 
sich selber engagiert, 'n eignen Frei¬ 
zeitbereich sich sucht, wo sie die Zeit, 
die er zu Hause is' dann nutzt für ihre 
Freizeit. Dit is' vielleicht ooch 'ne 
unliebsame Folge für den Ehemann, weil 
er sich denn uf eenmal mit 'ner selbst¬ 
bewußten Frau auseinandersetzen muß." 
(I: Was bedeutet das für die Beziehung, 
sie gehen dann ziemlich ihre eigenen 
Wege?) "Also wenn ick damit rechnen muß, 
daß meine Partnerschaft schon alleine 
an dem Punkt zerbricht, weil ick den 
andern nich' oft jenug im Auge habe, dann 
würd' ick dit also für 'ne schwache Basis 
halten, 'n Leben lang durchzusteh'n. Ick 
meine, es jibt sehr viele Leute, dit weiß 
ick, die planen nich' für'n Leben. Ick 
bin da anders. Ick kann mir dit nich' 
anders vorstell'n." (Ist das kein echter 
Konflikt für Dich?) "Dit is' sicherlich 
'n Konflikt. Dit is' nur die Frage ..., 
da werden mir also zwee Richtungen 
schmackhaft jemacht, also einfach den 
Fußball sausen zu lassen oder die Braut 
sausen zu lassen. Eens von beeden. Aber 
wenn beedet in 'ne jewisse Form Leid be¬ 
deutet, denn jibt es noch 'ne dritte 
Möglichkeit, nämlich, wie man mit der 
janzen Sache umjeht. Dit muß nich' in 
nem Konflikt in dem Sinne ausarten. 
Dit kann durchaus sein, daß man dit 
schafft, daß man den ander'n zu 'ner Ak 
tivität, ooch dadurch zu 'ner Aktivität 
mehr oder wen'jer zwingt, die ihm wat 
bringt, sein eig'net Hobby entwickelt, 
wo er diese Zeit dann eben ooch braucht 
für sich selber, wo se beede wat er- 
leben und wat den Ehealltag ja ooch 
wieder entlastet, weil man hat sich ja 
gegenseitig wat zu erzähl'n, wat 
Int'ressantet, wat Neuet, wat der andre 
Dit is' ooch 
nich' erlebt hat.... 
nich' die Frage, wieviel Zeit ick mit 
jemand anders verbringe. Dit is' 'ne 
Frage: Welche Qualität hat dit?" 
(102/I1/79/2;80/1-3). 
erfahrungen sowohl des Fußball¬ 
spielers als auch seiner (nunmehr 
emanzipierten) Verlobten bereichert 
wird. Dieser Vorschlag geht nicht 
nur durch seine explizite Abgrenzung 
von den durch die Vorgabe nahegeleg¬ 
ten Lösungsmöglichkeiten, sondern 
vor allem durch die Reichweite der 
empfohlenen Umorientierungen - die 
Verlobte solle ihr Leben ändern, 
und dann müsse der Fußballspieler 
sich seinerseits auf eine veränderte 
Partnerin umstellen - erheblich 
über die Stellungnahme des im Bei¬ 
spiel 1 zitierten Interviewpartners 
hinaus.
	        
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