Full text: Analyse moralischer Argumentationen - Interviewleitfaden, Tonbandtranskript und Auswertungsbeispiele (Anh.)

-A 190 - 
Konflikt 5, Stufe 5 
dit kommt uf dit Arrangement an. Wenn sich 
beide in wen'jer Zeit intensiv mit'nander 
beschäftigen, denn reicht dit vollkomm' 
aus. Denn hab'n ooch die ander'n Interes¬ 
sen dabei Platz. Dit heißt ja nich' immer, 
daß 'ne ..., 'ne läng're Zeit, wo man zu¬ 
samm' is', intensiver sein muß. Dit kann 
also eher zum Nachteil sein. Man kann sich 
ja ooch unheimlich uf'n Geist geh'n 
* . . 
Und wie man so sagt: In der Kürze liegt 
die Würze. Man kann also aus der kürz'ren 
Zeit intensiv schöpfen. Ob dit nu' gut- 
geht, is' wieder 'ne and're Sache. Dit 
kann man ja nie wissen vorher. Dit is' 
ja 
wieder von alljemeinen Einflüssen abhän- 
gig, ne. Aber wenn beide sich da einig 
sind, wenn beede sich bloß eenmal in de 
Woche seh'n, kann die Liebe trotzdem je¬ 
nauso groß sein, als wenn se sich da fünf¬ 
mal die Woche seh'n." (I: "Wenn man das 
jetzt umdreht. Was soll denn die Frau dann 
machen?") "Na, die sollte jenauso ent¬ 
scheiden, wie er vorher ooch entschieden 
hat. Nee, nich', wie er vorher ooch ent¬ 
schieden hat, sondern wie sie denkt, sel¬ 
ber entscheiden zu müssen .... Dit kann 
ja jetzt zu dem Punkt kommen, wo man 
denn zwar bereit is' zu dieser Selbstauf¬ 
gabe, 'n Stück von sich selber hergibt, 
wat im Endeffekt denn aber jar nich' mal 
so jut jewesen sein kann, weil man 
jrade die Jesamtheit an dem Menschen je¬ 
liebt hat. Und dit is' nu weg. Und dit 
kann zum Nachteil sein" (103/II/75/6; 
76/1-4;77/1-2) 
Beispiel 2: "Den Fußball ufzujeben, wenn 
er drunter leiden tut, daß er uf ihn ver- 
zichten muß, bringt nischt. Dit würde 
dit Verhältnis im Grunde nur umkehr'n. 
Jetzt is' sie der unzufried'ne Teil und 
die treibende Kraft hinter 'ner Trennung 
Jnd im umjekehrten Fall würde er ihr 
vorwerfen, würde den Spieß denn um¬ 
dreh'n. Die würden nur die Rollen tau- 
schen. Ihr zuzumuten, daß se dit weiter 
stillschweigend erleiden kann? Ick meine 
sicherlich, sie hat jewußt, uf wat se 
sich einläßt. Nur die Frage is' ob se 
dit in ihrem Dusel oder in ihrem 
Glücksrausch, wie immer man dit bezeich¬ 
nen will, überhaupt richtig einordnen 
konsensfähigen Lösungsvorschlag, 
in dem die notwendige Intensität der 
Beziehung und die zu wahrende Ein- 
heit der Person des Fußballspielers 
betont wird. Der Interviewpartner 
möchte diesen durchaus konsens¬ 
fähigen Lösungsansatz der Verlobten 
aber nicht aufzwingen, sondern ihr 
selbst überlassen, wie sie sich ver¬ 
hält. Damit erscheint sein Lösungs¬ 
vorschlag erst recht allgemein akzep¬ 
tabel. Selbstaufgabe als Konflikt- 
lösung - ein auf der Stufe 3 nahe¬ 
liegender Vorschlag - 
wird dabei 
transzendiert. 
Im Beispiel 2 wird die kritische 
Einschätzung zunächst über eine Um¬ 
kehrung der Interessen gewonnen, 
wie sie auch in der Argumentations¬ 
struktur der Stufe 4 vorkommt. Die- 
se Umkehrung führt aber nicht - wie 
auf der Stufe 4 - zu einem bloßen 
Kompromiß, d.h. zu möglichst kleinen 
und gleichkleinen Abstrichen auf 
oeiden Seiten; vielmehr entwickelt 
der Befragte einen allgemeinen zustim 
mungswürdigen Lösungsansatz, bei dem 
beide Partner nur gewinnen können 
und ihre Beziehung zueinander durch 
den intensiven Austausch unter¬ 
schiedlicher individueller Freizeit¬
	        
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