Full text: Oswald, Hans: Soziale Beziehungen und Interaktionen unter Grundschulkindern

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bracht, wenn die Kinder verbotene Dinge treiben. Zuwendung im 
Sinne von aufrichtig interessiert geführten Gesprächen, Anteil- 
nahme bei Kummer, Beteiligung an Spaß ist notwendig, damit die 
Kinder den Beobachter als Person kennenlernen und sich so ein 
Urteil über diesen Menschen bilden können, der weit in ihre 
persönliche Sphäre eindringt. Es ist wichtig, daß die Kinder 
Vertrauen fassen und ihn mögen. Somit muß der Beobachter ver- 
deutlichen, daß er auch als ein Mensch, der Kinder mag, präsent 
ist. Wir haben dies den Kindern nicht vorspielen müssen, weil 
es unserer Haltung entspricht. Wir sind überzeugt, daß For- 
scher, die aus irgendeinem Grunde mit Kindern "nichts anfangen" 
können, derartige Beobachtungen nicht durchführen sollten. Auf 
dieser Grundlage ist es uns immer gelungen, das Zutrauen der 
Kinder zu gewinnen, und oft wünschten sich die Kinder von sich 
aus, daß wir uns wieder einmal neben sie setzten. 
Sich selber möglichst weit zurückzunehmen, sich gleichsam zu 
verstecken, ist nicht der Weg, um den Ablauf der zu beob¬ 
achtenden Interaktionen nicht zu stören. Dann, wenn die Kinder 
wissen, wer der Beobachter ist und was von ihm zu halten ist, 
können sie seine Anwesenheit "vergessen" 
Beobachtungen außerhalb des Klassenzimmers: Beobachtungen auf 
dem Pausenhof, bei Zoo-Besuchen, Schulausflügen oder Bundesju¬ 
gendspielen sind oft sehr ergiebig. Man muß allerdings auf das 
Tonband verzichten, und selbst das unmittelbare Aufschreiben 
von Feldnotizen ist oft nicht möglich. Es lohnt sich, gedächt- 
nisstützende Techniken zu üben. Ergänzend haben wir kleine 
Taschendiktaphone benutzt. Zum Besprechen des Tonbandes sollte 
man sich allerdings zurückziehen. Die Kinder merken dennoch, 
daß man etwas diktiert, und sollten den Vorgang erklärt bekom- 
men, da manche Kinder meinen, es handele sich um Funksprechge¬ 
räte, und man habe mit fremden Personen Funkkontakt. Manchmal 
haben wir die Kinder auf das Band sprechen lassen oder ihnen 
von uns gesprochene Passagen vorgespielt, damit sie merkten,
	        
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