Vorwort
Die Studie von Siegfried Reuss zu Hegels Bildungstheorie
ist nicht im Institut für Bildungsforschung entstanden.
Ihre Veröffentlichung in einer Institutsreihe bedarf also
der Rechtfertigung. Sie mag äußerlich darin gesehen werden,
daß der Verfasser zur Zeit am Institut tätig ist und
daß ein Mitglied des Instituts die Arbeit in ihrer Entstehung
gefördert hat. Diese äußeren Gründe würden freilich nicht
ausreichen, wenn nicht ein thematischer Bezug zu den
Forschungen des Instituts bestünde. Dieser Bezug besteht
nicht nur in der allgemeinen Form, daß auch in einem empirisch
arbeitenden Forschungsinstitut die philosophische Reflexion
auf die Grundlagen der eigenen Fragestellungen immer wieder
notwendig ist. Im Institut gibt es darüber hinaus Arbeitsgruppen, -
die ein spezifisches Interesse an der Erweiterung
ihrer Diskussion in moralphilosophischer und bildungstheoretischer -
Richtung haben, denen also jene Kompetenzen besonders
wichtig sind, die diese Untersuchung dokumentiert. Eine
schnelle und unaufwendige Veröffentlichung bietet sich
als eine Möglichkeit an, diese Diskussion über das Institut
hinaus zu tragen.
Der bildungstheoretische Sinn der Beschäftigung mit Hegel
und seiner Auseinandersetzung mit Rousseau wird dem Leser
schnell deutlich werden. Die Geschichte der Pädagogik
seither ist unter anderem gekennzeichnet durch das immer
erneute Aufbranden von mindestens implizit auf Rousseau
sich stützenden Reformbewegungen, und noch die gegenwärtige
Kritik an der institutionellen Verfassung des Erziehungsund -
Bildungswesens, am "heimlichen Lehrplan", an der
Autoritätsrolle des Lehrers und Erziehers, die Auseinandersetzung -
um die Möglichkeit, Bildungsprozesse an die
individuellen Voraussetzungen, Bedürfnisse und Interessen
des Heranwachsenden anzuschließen, der Streit darum, was
sittliche Erziehung, was Emanzipation durch Bildung heute
heißen können, trägt die Spuren jener philosophisch-politischen