Full text: Kirchner, Carl: Ueber den Organismus des öffentlichen Unterrichts an Gelehrtenschulen

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Theilen, auch des feinern Sprachgebrauchs in den Modis und Partikeln, imglei= 
chen Fertigkeit im Unterscheiden der wichtigsten Synonyme. Jm Stil grammati= 
sche Richtigkeit des Ausdrucks und Ordnung der Gedanken. Außerdem Bekannt= 
schaft mit dem Nibelungenepos dem Jnhalt nach, und unbeschwertes Uebersetzen 
der leichtern Stellen ins Hochdeutsche. 
b) Im wissenschaftlichen Unterricht. Im Rechnen muß es bis zu 
gereifter Einsicht und Uebung in den Quadrat= und Cubikzahlen, wie in der Pro= 
portionslehre; in der Geometrie zur Sicherheit in den Lehren der Planimetrie ge= 
bracht sein; in der Geschichte zu einer zusammenhängenden Uebersicht der wich= 
tigsten Weltbegebenheiten überhaupt und zu einer genauern Kenntniß der Deutschen 
Geschichte und der großen Männer aus der Vorzeit unserer Nation insbesondere. 
In der Raturlehre müssen die gewöhnlichsten Erscheinungen der Körperwelt 
begriffen, in der Naturgeschichte eine systematische Uebersicht der drei Natur= 
reiche erworben sein. In der Religion muß sich ein höherer Grad von Entwi¬ 
ckelung der religiösen und sittlichen Begriffe, und ein hinlängliches Verständniß 
der minder schwierigen Stellen in den Evangelien und Episteln bewähren. 
4) Zum Uebergang aus der höhern Bildungsstuffe zur Universität wird er= 
fordert: 
a) Jm Betreff der Sprachen. Eine durch die Lehren der allgemeinen Gram= 
matik begründete tiefere Einsicht in das Wesen der einzelnen Sprachen, des Latei= 
nischen, Griechischen und Deutschen. a) Jm Lateinischen: Gewandtheit im 
Uebersetzen und Jnterpretiren der gewöhnlichern Klassiker, eines Cicero, Livius, 
Virgil und Horaz, wobei sich einestheils Kenntniß des feinern Sprachgebrauchs 
in den Partikeln, in Gebrauch und Folge der Tempora u. s. w., anderntheils 
Einsicht in Denkart, Sitten und Verfassungen der alterthümlichen Welt überhaupt 
bewähren muß. Bei Dichtern auch Kenntniß des Metri, nebst eigener Uebung im 
Versificiren, bis zur prosodischen Fehlerlosigkeit. Der Lateinische Ausdruck muß 
im Schriftlichen, bei grammatischer Correctheit und Auswahl der Worte, bis zu 
einer gewissen Freiheit des eigenthümlichen Gedankenausdrucks, im Mündlichen 
bis zur Reinheit von grammaticalischen Fehlern und gröbern Germanismen aus=
	        
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