Full text: Zur Geschichte des aufgelös'ten Königlichen evangelischen Schullehrer-Seminars zu Breslau - Eine nothgedrungene Abwehr der in einigen Zeitschriften gegen die Anstalt erhobenen Anklagen und Beschuldigungen ([1])

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„und Milde erfolgt ist. Den Zöglingen ist an und für sich 
„die Aussicht auf eine spätere Anstellung im Lehramte offen 
„gehalten, sofern sie nur den allgemeinen, sittlichen und intel¬ 
„lectuellen Anforderungen derselbe Genüge leisten. Der Di¬ 
„rektor und die Lehrer der Anstalt sind sämmtlich in gleicher 
„Weise ihrer Functionen enthoben, aber keiner ist abgesetzt 
„und aus dem Staatsdienst entfernt. Dem ersteren ist eine 
„wol nicht unerwünschte Veranlassung gegeben, sich zu ver¬ 
„antworten. Dem Oberlehrer Scholz und dem Lehrer 
„Löschke ist nur eröffnet worden, daß man sie an dem 
„neu zu errichtenden Seminar nicht zu verwenden 
„gedenke, wogegen sie aufgefordert worden sind, ihre eige¬ 
„nen Wünsche für demnächstige Wiederanstellung auszuspre¬ 
„chen. Warum Beide nicht wieder am Seminar 
„wirken sollen, vermag ich nicht anzugeben. 
Sehr gern erkennen wir an, daß die Ausführung durch den 
Kommissarius, Herrn Ober=Regierungsrath von Heyden, mit 
der größten Humanität, im Sinne des Königs geschehen ist. Aber 
es ist dem Herrn Löschke und mir mehr eröffnet worden, als der 
Berichterstatter behauptet. Beide wissen genau, warum sie nicht 
wieder am Seminar wirken sollen. In andern öffentlichen Blät¬ 
tern sind darüber schon genügende Andeutungen gegeben worden; 
und wer die vorliegende Darstellung mit einiger Aufmerksamkeit 
gelesen hat, dem werden die Gründe die uns freilich nur münd¬ 
lich von dem Herrn Kommissarius eröffnet worden sind, und zu 
deren öffentlichen Mittheilung wir auch keine Befugniß haben, 
nicht mehr ganz unbekannt sein*). 
Siehe S. 21 unten und 
S. 22 oben, ferner die 3. Anmerkung S. 28 und 371) 
„Keiner ist," sagt der Berichterstatter, „abgesetzt.“ Wir wa¬ 
ten aber als Seminarlehrer berufen und als solche bei hiesigem 
Seminar wirklich angestellt. Sollen wir nun nicht mehr bei einem 
Seminar verwendet werden, so können wir darin nichts mehr und 
nichts weniger als eine Absetzung erblicken; wir betrachten uns 
wirklich als „abgesetzte Seminarlehrer." Daß „Keiner" aus dem 
Staatsdienst entfernt ist, „wogegen wir aufgefordert worden sind, 
unsere eignen Wünsche für demnächstige Wiederanstellung aus¬ 
zusprechen," hat theilweise seine Richtigkeit. Das Letztere ist von 
meiner Seite geschehen und sehe ich dem Bescheide im vollen Ver= 
trauen zur höchsten Staatsbehörde entgegen. Es ist uns durch den 
Königl. Kommissarius zwar angedeutet worden, daß wir bis auf 
Weiteres unsern Gehalt bis zum 1. Juli d. J. fortbeziehen, aber 
*) Wie ich höre, arbeitet Herr Löschke eine „Rechtfertigungsschrift" 
zur Kenntnißnahme des Herrn Kultus=Ministers Excellenz aus, die, wenn 
er sie unverkürzt veröffentlichen darf, manchen Aufschluß geben wird. 
 
ors 
Planck-Institut für Bil
	        
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