Full text: Hallbauer, Karl Friedrich: Ueber unsere Bürgerschulen

Max-Planck-Institut für Bildungsf 
M 
In 
(12) 
Nutzen. Bisher nämlich, sagt man, haben die 
Lehrer, wenn ihre Zöglinge nicht die nöthigen 
Fortschritte machten, leicht die Schuld ihrem 
Mitkollegen beimessen können. Nun trifft sichs 
aber, daß ein Lehrer wohl in dem einen Fache 
gut unterrichtet, aber weniger in dem andern, 
weil er weniger Kenntniß davon hat und folglich 
diese Lektion, die er auch wohl gar nicht aus dem 
rechten Gesichtspunkte faßt, mit Widerwillen 
treibt. Wie vortheilhaft müßte es nun nicht 
für die Schüler seyn, wenn diese Lehrer die Lek¬ 
tionen mit einander umtauschten! — Hier wäre 
aber erst die Frage: kann es Lektionen geben, 
in denen ein Lehrer ganz unwissend oder doch un¬ 
fähig sei, sich, im Fall einiger Unbekanntschaft 
mit den Gegenständen, hineinzustudieren? Wer 
Lehrer werden will, muß doch vorher überlegt 
haben, ob er der Sache wohl vorstehen könne, 
widrigenfalls muß er, wenn er Liebe zu seinen 
Zöglingen in sich fühlt, sich das Fehlende aneig= 
nen, und das ist doch wahrhaftig nicht schwer. 
Und gesetzt auch, daß dem Lehrer eine Lektion 
lieber als die andere sey, so wird er die minder 
ansprechende schon um seiner Zöglige willen nicht 
nachlassiger behandeln, oder man muͤßte ihn ge¬ 
radezu für gewissenlos erklären, und dies möchte 
doch wohl selten der Fall seyn. Und welche Verwir= 
rung würde daraus entstehen, wenn Jeder sagen 
dürfte: dies oder jenes mag ich nicht lehren, 
denn es gefaͤllt mir nicht! Und was sollte vollends 
dar=
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer