Full text: Oberthür, Franz: Auch den treflichsten Erziehungs-Anstalten fehlt noch vieles, selbst vom Wesentlichsten

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 
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die männliche sind, das heißt, es muß aus dem großen 
Vorrathe von Kenntnissen, welche diese Anstalten ihren 
Zöglingen mittheilen, so viel herausnehmen, als für die 
seinigen nöthig oder zuträglich ist, und auf die Art mit¬ 
theilen, die für sie paßt, und in manchen von der ver= 
schieden seyn kann, nach welcher die männliche Jugend 
unterrichtet werden muß. 
Wenn ich an unsern Schulen den eigentlichen Cha¬ 
rakter von Bildungs= und Erziehungs=Anstalten vermisse, 
so meine ich eine zweckmaßige Disciplin, die jetzt durchaus 
zu fehlen scheint. 
Unter Disciplin verstehe ich aber nicht, was man sonst 
darunter in den Schulen, den niedern besonders, darun¬ 
ter verstanden, scharfes Ahnden jedes Versehens, sondern 
eine Einrichtung der Schul=Anstalten selbst, wodurch die 
Zöglinge nicht nur von Unarten und Ausschweifungen ab¬ 
gehalten; sondern auch an Ordnung, Fleiß, Sittsamkeit, 
Bescheidenheit, Anstand, Gefälligkeit und alle gesellige 
Tugenden, selbst an innere Moralität und Religiosität, 
kurz an alles, was gut und schön ist, gewöhnt werden. 
Leider muß ich hier, ehe ich zu einer zweckmäßigen 
Disciplin Vorschlage mache, welche dem Geiste unsrer 
Zeit, das heißt, den pädagogischen Einsichten, die wir 
jetzt erreicht haben, und der Menschenkenntniß, der wir 
uns nun rühmen dürfen, entsprechen möchten, zuvor auf 
einige Seiten unsers Erziehungs=Wesens aufmerksam ma= 
chen, wodurch es gerade das Gegentheil von dem zu seyn 
scheint, was es seyn sollte, wodurch es wenigstens auf 
den Charakter der Zöglinge den schädlichsten Einfluß ge
	        
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