Full text: Oberthür, Franz: Auch den treflichsten Erziehungs-Anstalten fehlt noch vieles, selbst vom Wesentlichsten

 
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einen frühzeitigen Tod oder siechen Körper, schützen, wenn 
das die Eigenschaften der Pfleg=Aeltern sind nichts gegen 
die Grausamkeit der Mutter schützen, wenn sie aus was 
immer für Ursachen sich-dieser lästigen Bürde ihrer unehe¬ 
lichen Kinder, auf eine feine unbemerkbare Weise entledi¬ 
gen wollen, ohne des Kinder-Mordes beschuldigt werden 
zu können. 
Es giebt nähmlich Menschen, meistens sind's alte 
einzelne Weiber, die bloß vom Aufnehmen solcher Kinder 
leben, oder doch so einen Nebenverdienst zum bequemen 
Leben dadurch sich zu machen suchen. Wo dieses die 
Hauptabsicht ist, darf man schon fürchten, daß die Kinder 
vernachlässiget werden. 
Ich hab' in Wirzburg einige solcher Weiber gekannt, 
denen das Volk den Namen Herodes beygelegt, weil die 
ihnen anvertrauten Kinder gemeiniglich, und zwar bald 
sterben. Solchen pflegten verunglückte Mädchen häufig 
ihre Kinder zu übergeben, weil sie hofften, ohne Verant¬ 
wortung ihrer bald los zu werden. Man wollte sogar be¬ 
merkt haben, daß manchmal bey der Uebergabe die bal¬ 
dige Ablieferung des lästigen unglücklichen Geschöpfes in 
ein besseres Leben hinüber, zur ausdrücklichen Bedingniß 
gemacht worden. 
Ich will aber diese Herodiasen, welche Kinder mit 
Bedacht tödten, und Mütter, welche mit Ueberlegung 
ihre Kinder dem Tode auf eine solche Weise übergeben, 
als Ausnahmen und seltene Erscheinungen ansehen und 
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Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
	        
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