Full text: Oberthür, Franz: Auch den treflichsten Erziehungs-Anstalten fehlt noch vieles, selbst vom Wesentlichsten

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Die Handwerks-Schulen. 
Sonst führte jeder Meister seine Lehrjungen selbst mit 
sich zum frühen Gottesdienst und sie mußten ihm zu Hause 
den Inhalt der Predigt wieder erzählen. Nachmittags 
mußten sie der öffentlichen Katechese in der Pfarrkirche 
beywohnen. Die Gesellen hatten ihre eigene Sodalität, 
ihren eignen Gottesdienst, eine ganz zweckmäßige und 
äußerst vortheilhafte Einrichtung, die noch besteht, aber 
lange nicht mehr so geachtet und benutzt wird, als sonst. 
Für das Metier ward bey den Handwerken, die das 
Zeichnen brauchten, dadurch gesorgt, daß entweder der 
Meister selbst den Seinigen in den Nachmittags-Stunden 
Unterricht ertheilte, oder ein erfahrner Gesell seinen Ka¬ 
meraden und Lehrjungen, um eine kleine Erkenntlichkeit 
diese Gefälligkeit erwies. 
Jetzt ist's auch damit ganz anders als sonst. Den 
Handwerks=Burschen ist's weniger mehr ums Lernen und 
den Meistern ums Lehren zu thun. 
Ware aber auch fürs Zeichnen=Lernen gesorgt, so 
bliebe dem Staate doch noch sehr viel übrig, was er sei¬ 
nes eignen Vortheils wegen für die Erziehung der Händ¬ 
werker thun sollte. 
Schwer mag es immer seyn, hier ein Ganzes zu 
machen, wo das Bedürfniß der verschiedenen Handwer= 
ker so verschieden ist. Doch da sie alle einige Bedürfnisse 
gemeinschaftlich haben, so ist schon viel geschehen, wenn 
der Staat nur vor der Hand diese zu befriedigen sucht, 
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
	        
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