Full text: Wetzel, Franz Xaver: Reisebegleiter für Jünglinge

— 34 - 
fährt per Eisenbahn. In raschem Fluge gehts 
durch Ebenen und Thäler, an Bergen und Seen 
vorbei. Das Auge findet kaum Zeit, auch nur 
flüchtig die Wunder der Natur zu betrachten. Was 
nützt ein solches Reisen? Man schaut nicht die 
Blumen am Wege, hört nicht das Konzert der 
Vögel, erfreut sich nicht an den schönen Landschafts¬ 
bildern, hat kein Auge für Volkssitten, für das 
Thun und Treiben fremder Menschen. Höchstens, 
daß man in den Städten Halt macht und hastig 
die Straßen und öffentlichen Plätze, die Bilder¬ 
gallerien und Kunstsammlungen durcheilt vor 
Palästen und stolzen Turmbauten einige Augenblicke 
verweilt, den Pferderennen und Stierkämpfen bei¬ 
wohnt und am Abend das Theater besucht. Aber 
der große Gottestempel der Natur mit seinen be¬ 
bezaubernden Reizen und unbeschreiblichen Schön¬ 
heiten, mit seinen Wundern ohne Zahl ist 
so 
vielen zeitlebens verschlossen — zum größten Schaden 
für Herz, Geist und Gesundheit. 
Die aufmerksame Betrachtung der Natur erfüllt 
das Herz mit Bewunderung für Gottes Allmacht, 
Weisheit und Güte, mit Demut und dankbarer Liebe. 
Der Wille wird gestählt durch das Wandern, und der 
Geist mächtig angeregt zum Forschen und Denken, 
eine Fülle von neuen Ideen und Kenntnissen wer¬ 
den sein eigen. Daß die Fußreisen dem Körper 
sehr zuträglich sind, braucht wohl keines Beweises. 
Das fühlt jeder selbst am besten, wie wohl ihm 
die Bewegung thut, wie angenehm und erfrischend 
 
rage 
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 
vele
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer