Full text: Sträter, Hermann Josef: Männerpredigten

Schritt tun, sich vom christlichen Glauben loszusagen, und damit wäre der verhaßten Kirche ein neuer Schlag versetzt worden; denn dem Beispiel des so hoch verehrten Laurentius würden sicher viele andere gefolgt sein. Sehet, liebe Männer, die Torheit und Ver¬blendung der Welt, die eitlen Pläne der Gottlosigkeit! Wie er¬bärmlich schlecht kennt doch die Torheit der Menschen den Glaubens¬mut eines treuen Christen!

Der hl. Laurentius versprach wirklich dem heidnischen Richter, er wolle ihm in Kürze die Schätze der Kirche zeigen. Dann ver¬sammelte er alle Armen, an die er das Geld verteilt hatte, die Ge¬brechlichen, die Krüppel, die Blinden und Lahmen, und führte sie dem Richter vor. ‘„Hier"’ , sagte er, ‘„sind die Schätze der Kirche."’ Ein wunderbar tiefes Wort, das den Geist der Barm¬herzigkeit der Kirche gegen die Armen unübertrefflich kennzeichnet! Notleidende, in christlicher Liebe getröstet und unterstützt, das sind die herrlichsten Schätze der Kirche. Die Geschichte unserer heiligen Religion ist zugleich die Geschichte der edelsten und herrlichsten Werke der Barmherzigkeit. Wie Christus, so „schreitet" auch seine Braut und Stellvertreterin, die Kirche, ‘„Wohltaten spendend einher"’ (Apgesch. 11. 38). Und mag eine un-dankbare Welt sich von ihr lossagen, und alles Gute, das sie getan, vergessen, ja mögen auch manche Kreise die Barmherzigkeit der Kirche unterbinden und ihre Wohltätigkeit in Fesseln legen wollen, die Kirche wankt nicht in ihrer Liebe. ‘„Wir werden ver¬flucht, und wir segnen,"’ sagt der hl. Paulus (1. Kor. 4. 12).

O tapferer heiliger Laurentius! Dein Leben ist den Armen so kostbar; die Christen stärken und erbauen sich an Deinem Tugend¬beispiel. Weißt Du denn nicht, daß der Tod Dir bevorsteht, wenn Du Dich weigerst, die Schätze der Kirche herauszugeben? Mußt Du denn wirklich sterben? Kannst Du nicht vielleicht mit den heid¬nischen Beamten verhandeln? Ist Dein junges frommes Leben der Kirche nicht mehr wert, als die vergänglichen Erdenschätze? Nein, der Heilige erkannte es nur zu gut: hier galt es nicht, zu ver¬handeln, hier bedurfte es einzig und allein eines furchtlosen Todes¬

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