Volltext: Sträter, Hermann Josef: Männerpredigten

Ist es nicht wahr, liebe Männer? Ist nicht jeder Zeitabschnitt unseres Lebens zugleich eine Erinnerung an Sünden und Fehler? Und wollten wir einmal an alle Orte zurückdenken, an die das Leben uns geführt hat, an das Elternhaus, die Schule, die Kirche, die Arbeitsstätte, die Wohnungen, die wir gehabt, die Häuser, die wir besucht haben, so fänden wir überall Anklagen gegen uns. Oder vergegenwärtigt euch die Personen, mit denen ihr je¬mals verkehrt habt, Verwandte, Bekannte, Freunde, Vorgesetzte, Gleichgestellte, Untergebene — wie mancher von ihnen könnte uns sagen: Ich habe einen Vorwurf gegen dich!

Sehet, so stehen wir da vor Gott, als ohnmächtige, schwache, sündhafte Geschöpfe; ach! vielleicht hast du es nur der unbegreif¬lichen Barmherzigkeit Gottes zu verdanken, daß du nicht in der Hölle bist, sondern hier die Gnade und Freude der hl. Kommunion genießen darfst. Ja, das ist die Stätte, welche jetzt der allheilige Sohn Gottes beziehen will: dieses Sünderherz will er sich zum Tabernakel erwählen. Müssen wir nicht recht gering von uns den¬ken? Muß uns nicht ein kurzer Rückblick auf unser Leben recht bescheiden und anspruchslos machen? Wer wollte sich da über¬heben? Wäre es nicht schön, wenn wir uns zur Vorbereitung auf die hl. Kommunion vornehmen wollten, gegen unsere Mitmenschen gefällig, wohlwollend und liebevoll zu sein?

III.

Liebe Männer! Wir haben Jesum betrachtet und angebetet und dann uns selbst in unserer Armseligkeit erkannt. Was schul¬den wir nun Jesu, unserm Heilande? Das Erste und Nächste ist, daß wir uns vor ihm tief verdemütigen. Wir können nicht anders, als mit dem edlen Hauptmann des Evangeliums sprechen: „Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach" (Matth. 8. 8). Wie ist es doch möglich, daß Du, heiligster Sohn Gottes und Mariens, dir meine so fehler¬hafte und schwache Seele zur Wohnung suchst? Wie ist es zu fassen, daß Du, der Allerreinste, in mein so undankbares und untreues Herz einkehrst? Welcher Fürst hat sich jemals so tief herabgelassen?

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