Full text: Sträter, Hermann Josef: Männerpredigten

in der Welt. Die Männer, deren Kraft nicht durch Gottesfurcht und Selbstbeherrschung gehemmt war, zwangen die Frauen unter die schmachvollste Herrschaft der Selbstsucht und Sünde, und so ward das Weib unterjocht und entwürdigt, sank immer tiefer und konnte auch den Mann nicht mehr veredeln und aufrichten. Die Frau hatte kaum Rechte, sie war die Sklavin des Mannes, schutzlos seinen Launen ausgesetzt; und wenn sie ihm nicht mehr gefiel, konnte er sie entlassen. Wohl gab es vereinzelte Ausnahmen, aber gerade sie zeigten um so deutlicher den schwarzen, schrecklichen Hintergrund, von dem sie sich grell abhoben. Die Stätte, auf der ich stehe, ist zu heilig, um das ganze grauenvolle verderben zu schildern. Das Glück des Familienlebens, das euch durch die Zere¬monien bei eurer Trauung so ergreifend vor Augen geführt worden ist, war nahezu unbekannt.

Da erkor sich Gott eine Tochter des Frauengeschlechtes, ein zartes Röslein, eine reine Lilie, Maria. Sie sollte ihm näher stehen als irgend ein anderes Geschöpf, näher als die erhabensten Engel. Ihn sollte sie ihren Sohn nennen dürfen, sie ward Mutter Gottes. Wie herzlich lieben wir unsere Mutter! Welche innige Liebe waltet zwischen Mutter und Kind ob! Welche Hingebung? Welche Vertraulichkeit! So nahe stand Maria dem unendlichen Gott. ‘„Dein Schöpfer ward dein Kind."’

Keine Fürstin, keine Kaiserin hat eine solche Würde wie Maria. Alle Größe dieser Welt verschwindet vor ihr in nichts. Sie überragt alle an Macht und Herrlichkeit. Die Königin der Welt ist sie, die Königin der Engel und Menschen, die Königin Himmels und der Erde. Du magst an das irdische Leben oder an die himmlische Herrlichkeit Mariens denken, überall tritt dir eine Größe und Hoheit entgegen, daß du wie geblendet bist.

Sehet, das ist Maria! In ihr ist das einst so entwürdigte Frauen-geschlecht emporgehoben und geadelt, von Maria strahlt auf die Frauenwelt Licht und Verklärung. Das Weib ist nicht mehr ver¬achtet und zertreten, die Frau ist nicht mehr die Sklavin, sondern die Lebensgefährtin des Mannes. Seine Gehilfin soll sie sein, Freud' und Leid, Arbeit und Sorge mit ihm tragen. Nicht Dienerin,

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