Full text: Sträter, Hermann Josef: Männerpredigten

Vergnügungen und Freuden der Erde, die Lobeserhebungen der Menschen, das sind für Tausende unserer Zeitgenossen die höchsten Güter. Reichtum, Genuß, Luxus, angesehene Stellungen, danach verlangt man, das erstrebt man mit allen Kräften; das sind die Ziele, welche ungezählte Menschen anlocken und blenden.

Und doch bleibt das schöne Wort des hl. Augustinus wahr: ‘„Du hast uns für dich erschaffen,o Herr,und un- ser Herz ist unruhig, bis es ruhet in Dir." ’ Wir wissen es alle, und auch oberflächlichen Menschen kommt in bessern Augenblicken der Gedanke: Du bist mehr als ein irdisches Wesen, dein höchstes Ziel liegt nicht in dieser Welt. Wenn der hl. Ignatius den gestirnten Himmel betrachtete, sagte er: ‘„Wie ekelt mich die Erde an, wenn ich den Himmel anschaue!"’ Ob nicht wohl ein jeder von uns im Leben Stunden hat, in denen dieses schöne Wort ihm ins Innere hineinklingt?!

Sehet, liebe Männer, die große Macht, die uns hinaushilft über die Oberflächlichkeit der Lrde und uns eindringlich an den Ernst unseres Lebens ermahnt, ist die heilige Religion. Sie zeigt uns das Ziel unseres Daseins deutlich und klar, sie weist uns hin auf das himmlische Vaterland, nach dem wir mit allen Kräften streben sollen. Sie mahnt uns, vor denjenigen irdischen Genüssen und Gütern auf der Hut zu sein, welche die Erreichung unseres ewigen Zieles gefährden könnten. Es ist eine ernste Mah¬nerin, die Religion, doch ist sie auch mild und gütig. Sie lehrt nicht bloß, sie hilft auch. Wahrlich, Hilfe tut uns not; wohl ist unser Ziel so herrlich und schön, daß der Gedanke an dasselbe unser Herz erfreuen, unsere Seele erheben und erweitern muß; aber wir sind schwach, Gefahren und Versuchungen stürmen von allen Seiten auf uns ein. Da führt uns die heilige Religion an die heiligen Quellen der Kraft und Stärke; das Gebet, das heilige Opfer, vor allem die heiligen Sakramente erfüllen unsere 'Seele mit über¬natürlicher Kraft. Die Kämpfe werden leichter, hat ein Heiliger tröstend gesagt.

In der Religion wird Oberflächlichkeit und Wankelmut über-wunden. Der heilige Paulus sagt: ‘„Wir sind nicht mehr Kinder, die wie Meereswellen hin- und her-fluten und von jedem Wind der Lehre hin- und Hergetrieben werden"’ (Eph. 4, 11, 14). Unser Leben bekommt Sinn und Bedeutung, unsere Seele ist zufrieden, unser Herz beruhigt. Wir wissen, warum wir leben, arbeiten, lieben, leiden.

Freilich ist's leider wahr: Nicht selten haben Menschen von der Bedeutung der Religion keine rechte Anschauung. Auch das Höchste kann in den Strudel der Oberflächlichkeit und Leichtfertigkeit hin¬eingezogen werden. Nicht der äußere Schein der Religion, sondern nur sie selbst, die ganze wahre Religion erklärt uns den Wert des Lebens. Die Religion soll nicht nur eine Fahne sein, die man gelegentlich hinausstreckt, o nein! Man hat wohl schon von Parade¬oder Hurrakatholiken gesprochen, welche äußerlich ihren Glauben bekennen, aber ihr Leben nicht nach ihm einrichten. Was ist für sie die Religion anders als eine schöne Fahne? Auch nicht ein Sonntagskleid soll sie sein, das man in der Kirche, beim Gottesdienst trägt und dann wieder ablegt, um im übrigen sein Leben nach den ödesten Alltagsgrundsätzen der Gewinnsucht und Vergnügungssucht zu ordnen. Nein! Sie muß ein Ferment sein; sie ist jener ‘„Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis alles durch¬säuert war"’ (Matth. 13. 33). Wahrlich, das ist die Religion, wie w i r sie verstehen, die Religion, für welche wir als Mitglieder des Männerapostolats eintreten sollen.

Ein Ferment fürs Leben! Die Religion lehrt dich, daß die Arbeit Gottesdienst ist, sie heißt dich, fleißig schaffen und dein Tagewerk durch die gute Meinung Gott aufopfern. Sie spornt dich an, bei allem irdischen Schaffen vor allem nicht die Arbeit am Heile deiner Seele zu vergessen, fleißig dem Gebet und der Frömmigkeit obzuliegen. Die Religion verklärt deine Sorge für deine Familie; als Vater trägst du die Autorität Gottes und mußt dafür einstehen, daß alle. Glieder des Hauses den Willen Gottes erfüllen: ‘„Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen"’ (Jos. 24. 15). Die Familie beruht auf dem

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer