Full text: Peters, F.: ¬Das junge Mädchen im Verkehre mit der Welt

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demüthig dem Stellvertreter Gottes zu unterwerfen, 
bemäkeln sie dessen Weisungen und berufen sich 
sogar auf das Vorbild Anderer. Gibt der Beicht¬ 
vater nicht nach, so gehen sie einfach zu einem 
anderen und haben überdies an dem einen Beicht¬ 
vater dieses, am anderen jenes auszusetzen. 
Nun frage ich dich, gutes Mädchen: Würdest 
du solche Handlungsweise wahre Gottesfurcht 
nennen, und es billigen, daß sich die Betreffenden 
zur gottesfürchtigen Klasse zählen? Doch gewiß 
nicht. Du wirst mit mir Eins wie das Andere 
entschieden mißbilligen oder aber, ich müßte denn 
bisher von Gottesfurcht einen falschen Begriff ge¬ 
habt haben. Ich bin mir indeß sehr wohl be¬ 
wußt, daß Kirchenbesuch, der öftere Empfang der 
heiligen Sakramente 
zu gehöriger Zeit und in 
geziemender Weise wie in der erforderlichen Geistes¬ 
verfassung vollzogen, geeignete Mittel, ja sehr 
wirksame Mittel sind zu unserer Heiligung und 
zur Erlangung der Seligkeit. Indeß macht die 
Anwendung dieser Mittel allein die wahre Tugend 
noch nicht aus. Jene gottesfürchtige Sorte wür¬ 
digt die Tugend oft zum Gegenstand des Spottes 
herab, macht Andere den Gnadenmitteln sogar ab¬ 
geneigt und sich selbst lächerlich, so daß es schlie߬ 
lich von ihnen heißt: Nun, die viel Zeit in der 
Kirche zubringen und oft zu den heiligen Sacra¬ 
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Digitalisierungsvorlage 
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Uni
	        
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