Full text: Peters, F.: ¬Das junge Mädchen im Verkehre mit der Welt

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abtödten, zu gewissen Zeiten und an gewissen 
Plätzen das Schweigen beobachten, auf das erste 
Zeichen der Klosterglocke zu folgen, — das dünkt 
Einigen nichts Schwieriges. Da bedenke aber wohl, 
gutes Mädchen, daß solche kleinen Opfer tagtäglich 
und ununterbrochen zu bringen sind. Der eine 
Tag gleicht dem andern. Es ist so zu sagen ein 
ewiges Einerlei in den Klosterregeln; nicht so in 
den zu verrichtenden niederen Diensten. Bald wird 
dir eine Arbeit abgenommen, bald wieder eine 
andere auferlegt immer, ohne dabei auf deine 
Neigung oder deinen Wunsch Rücksicht zu nehmen 
oder dich vorher nur zu fragen. Zuweilen hat man 
sich eine Dienstverrichtung gefallen zu lassen, bei 
der man nichts weniger als natürliche Befrie¬ 
digung findet. Es ist ferner keine Kleinigkeit, 
mit deinen Mitschwestern stets freundschaftlich um¬ 
zugehen. Sind diese mit dir einig, stimmt ihr 
Charakter mit deinem Charakter, so ist das bequem, 
und angenehm sogar. Unter so vielen gibt es 
aber auch Naturen, die dir durchaus nicht gefallen, 
ja zuwider sind, gegen welche du naturgemäß eine 
gewisse Abneigung fühlst. Ein solches Gefühl ist 
zwar oft unabhängig von deinem Willen; dennoch 
hast du es zu unterdrücken und dich gegen Alle 
gleich freundlich, zuvorkommend und herzlich zu 
benehmen. Wo nicht gegenseitige Liebe herrscht, 
 
Digitalisierungsvorlage 
Max Planck institute for luman Developm.
	        
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