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steigen höher. Vor ihren Augen steht das Bild des
guten Heilandes, jenes Bild, das Magdalena in der Tiefe
ihres Unglücks ergriffen, gequält, emporgehoben und zu seinen
Füßen gezogen hat. Dieser Heiland, der ihr gut und gnädig
gewesen vom ersten Lichtstrahl, den sie gesehen, bis zu dieser
Stunde, wo sie von neuem die verzeihende Gnade sucht, der
ist von ihr beleidigt worden. Einen schweren Vorwurf
der Undankbarkeit empfinden solche Seelen. Sie müssen sich
selbst verachten, weil sie so unkindlich gewesen, so unrecht
getan haben. In der Tiefe regt sich aber bereits etwas
anderes, etwas Vollkommneres: die Liebe. Wie wunderbar,
daß Gott die höchstverdienstliche, vollkommene Liebesreue mit
dem menschlichen Mitleid verschwistert hat. Wenn gute
Menschen leiden, so haben wir Mitleid. Es ist nicht Dankbarkeit, -
nicht Furcht, sondern das reine Mitleid mit solchen,
auch wenn uns keine Bande der Wohltaten mit ihnen verbinden. -
Wir haben das uns natürliche Verlangen, daß es
guten Menschen gut gehen müsse.
Nun Seele und Heiland. Wie leicht sollte einer Mädchenseele -
die vollkommene Reue sein, da das Herz zum Mitleid
und zur Mitfreude geschaffen ist. Da ist das Bild des göttlichen -
Meisters, an dem niemand, auch kein Pharisäer, einen
Flecken finden konnte, der ganz schuldlose, heilige Gott; der
Heiland, der nie jemand unrecht getan, der nur Schonung,
Verzeihung kannte, der mit unendlicher Geduld seine Apostel
in ihrer Schwäche, seine Feinde in ihrer Bosheit, einen
Judas in seiner Schlechtigkeit ertragen hat, der so ganz
selbstlos nur für andere gelebt, gebetet, gewacht, gearbeitet;
der nicht trotz, sondern wegen seiner endlosen Güte die
schrecklichsten Verfolgungen erleiden mußte; den man wegen
seines liebevollen Herzens zu Tode verklagt, verurteilt, zur
Schande gequält und gegeißelt, zur Empörung verlacht, verspottet -
und bis zur Unkenntlichkeit zerhauen, besudelt, zerstört
hat. Auf der Terrasse des Pilatus hat er gestanden als Probeleistung -
menschlicher Grausamkeit und boshaftesten Greuels
das Ecce homo. So hat man es weiter getrieben, bis
man seinem Herzen, das noch für die Feinde gebetet, den
letzten Schmerz und den letzten Blutstropfen abgequält hat.
Digtalsierungsvorlage:
Erzbischöfliche Diöze
Max Planck Institute for kluman Developme