Full text: Hug, Gallus J.: ¬Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte

diese Gebrechen? Der Tod. Wenn daher deine Gattin
leidet, kränkelt, was ruft sie dir zu? ‘„Siehe, der Tod,
arbeitet in mir; ich weiß nicht, wann er seine Arbeit voll-
endet, uns von einander zu scheiden.“’

‘„Aber das ist doch gar zu traurig!“’ Darüber will
ich mit euch nicht rechten; aber saget einmal ist es denn
in Wirklichkeit nicht so? Ist das nicht unser Leben, oder
besser unser langsamer Tod? Ruft's nicht von allen
Seiten und Ecken und Enden? ‘„Die Zeit ist kurz, denk'
an den Tod!“’
Ob ihr diese Stimme vernehmet oder
nicht, sie rufet dennoch; ob ihr die Schatten des Todes
sehet oder nicht, in euerer Familie stehet dennoch jener
Knochenmann – in der Hand die schlagbereite Sense.
Es ist wahrhaft, als hätte Gott nur deswegen die Lebens-
gemeinschaft der Ehe angeordnet, damit wir Alle nach-
drücklichst und immerfort an den Tod erinnert würden.

Wenn aber der Tod schon das Eine oder Andere
vielleicht in der Vollkraft und Blüthe des Lebens weg-
gerissen hat, was soll ich dann erst sagen? Da steht ein
Mann mit den Kindern am Grabe der Mutter – der
Tod flüstert ihm in's Ohr: ‘„Siehe, einen Theil von dir
hab' ich schon in's Grab geworfen; morgen werd' ich auch
den andern nachholen.“’
Und wenn die Mutter ihren
todten Gatten betrachtet, läuft nicht auch der Todesschauer
über ihren Leib? Denn sie waren ja nur mehr Zwei
in Einem Fleische. Steckt nicht der Tod verborgen in
ihrem Trauergewand? Was erst, wenn ein zweiter
Vater, eine zweite Mutter in's Haus eingetreten? Denn
diese zweite Vermählung ruft ja überlaut: ‘„Wo ist der
Vater, wo ist die Mutter dieser Kinder? Das erste
Band ist durch den Tod zerissen, haltet euch nur bereit,
auch dies zweite hat er schon in seiner Hand.“’

Ihr möget also die Ehe und die Familie betrachten,
wie ihr immer wollet, ihr werdet immer an den Tod

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