Full text: Hug, Gallus J.: ¬Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte

erfaßt hat. Haben denn diese kein Herz mehr, keine Liebe?
Freilich, aber nur für die Sünde, nur für die Ausschwei-
fung, nur für einen traurigen Menschen – aber nicht für
Vater und Mutter und Geschwister – nicht für den
Schutzengel, nicht für die makellose Mutter Gottes, nicht
für den gekreuzigten Heiland. Der Vater trauert und der
Sohn lacht, die Mutter weint und die Tochter spottet.
So kann mancher Vater mit dem Patriarch Jakob jammern:
‘„Ein wildes Thier hat meinen Sohn Joseph zerrissen.“’
‘„Das wilde Thier der Unlauterkeit zerreißt meinen Sohn,
zerreißt meine Tochter.“’
Ja, ja, zerreißt. Denn es bleibt
nichts mehr von der alten Schönheit und Anmuth.

Denn wie die reine Seele das Bedürfnis hat, mit
der vollsten Offenheit sich zu offenbaren, so wird die un-
reine Jugend heimtückisch, verschlossen, verlogen, daß der
Sohn Gottes in seiner Menschenfreundlichkeit auch nicht
ein Wort der Wahrheit herausbrächte. Da ist es oft, als
hätte der Vater der Lüge mit sieben Geistern Besitz von
einer unzüchtigen Seele genommen. Wer mit solch' un-
glücklichen Seelen nur einmal in Berührung kam, um an
ihrer Bekehrung zu arbeiten, aber all seine Versuche ver-
eitelt sah, der möchte, von Schmerz zerrissen, Klagelieder
singen wie einst der Prophet Jeremias über die Ver-
wüstung der Stadt Jerusalem und das Elend ihrer Be-
wohner. Denn, wo es sich nicht mehr um die eine oder
andere Sünde handelt, welche vielleicht mehr eine Folge
der Schwäche oder Ueberraschung als eine That der Bos-
heit ist, sondern um eine Gewohnheit, um das eigentliche
Laster, das in Leib und Seele haust, da ist der Wille
schwach und matt und kraftlos geworden, die Sinnenlust
regiert ohne Widerstand – und wenn dann erst noch
Krankheiten des Leibes oder der Seele oder des Gemüthes
hinzukommen, oder Alles miteinander? – Ich könnte da
Beispiele anführen, die ich selbst gesehen, einen Jüngling,

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