Full text: Hug, Gallus J.: ¬Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte

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Aber klagt da ein Vater, jammert eine Mutter: Aber 
meine Söhne und Töchter laufen mir davon, wenn ich 
zur Ruthe greifen wollte. Aber ist das vielleicht eine 
Folge jener Nachlässigkeit mit der ihr früher die Ruthe 
spartet? Ist das nicht die gerechte Strafe euerer Saum¬ 
seligkeit. Doch sei dem, wie ihm wolle, ihr habet die 
Pflicht, im Nothfalle mit der Ruthe Zucht und Ordnung 
aufrecht zu erhalten; wenn auch dann Sohn und Tochter 
davonlaufen, lasset sie laufen und betet für sie, daß der 
verlorene Sohn, die verlorene Tochter beim Hüten der 
Schweine das Elend erkenne und reumüthig ins Vaterhaus 
heimkehre. Daß ihr also zu strafen habet, unterliegt keinem 
Zweifel. Aber wie ist zu bestrafen? 
Wenn der hl. Geist Ruthe und Züchtigung empfiehlt, 
warnt er gleichzeitig vor unvernünftigem Prügeln und 
Strafen. Denn beides ist Sünde, nicht strafen und nicht 
auf die rechte Weise. Die hl. Schrift redet zunächst von 
der Ruthe, welche bei den Kleinern vollkommen genügt 
Größere mag man, wie's selbst die feinen Athener thaten, 
mit einem spanischen Rohre oder Riemen bestrafen. In 
dieser Beziehung sagt die hl. Schrift: „Striemen reinigen 
vom Bösen, und Schläge, welche in das Innerste des 
Leibes eindringen." (Prov. XX.) Aber hütet euch wohl, 
mit dem ersten besten Stück Holz auf die Kinder zu 
schlagen, oder auf Körpertheile, wo die Gesundheit ge¬ 
fährdet wird. 
Ferner hütet euch, gleichsam den ganzen Tag zu 
lärmen und zu schlagen. Zum Vorbilde nehmt euch da 
den Künstler, der aus Gold oder Silber ein Bild ver¬ 
fertigen will. Er hämmert nicht immer auf das edle 
Metall, sondern nur solange es roh, ungeformt, unbieg- 
sam; nachher drückt er dasselbe oder glättet es sanft. Ist 
das Kind unbeugsam, ist die Ruthe nothwendig; nachher 
genügt ein ernstes Wort, ein Fasten, ein Spielverbot. 
Digitalisierungsvorlage: 
 
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Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 
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