Full text: Hug, Gallus J.: ¬Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte

— 119 — 
dem Altare? Nahmen wir die Jugendsünden mit in den 
Ehestand? Lasten sie heute noch auf uns?" Wenn ja, 
thuet jetzt Buße, thuet sogleich Buße, um wenigstens jetzt 
noch den Gnadenreichthum des hl. Sakramentes der Ehe 
zu empfangen. 
Das ist nun eine Gefahr, welche die Menschen immer 
mehr oder weniger bedroht hat. Aber heute kommt eine 
zweite. 
Da ist z. B. wenigstens dem Namen nach ein katholisches 
Brautpaar. Die Braut hat vielleicht noch ein bischen 
Glauben, hat bisher um die Uebungen der Religion 
wenigsteus äußerlich noch ein wenig sich bekümmert; der 
Bräutigam ist längst ganz über den Glauben hinaus; vom 
Gottesdienst ist bei ihm keine Rede mehr. Was gilt ihm 
und vielleicht auch ihr die kirchliche Ehe? Ist das eine 
übliche Sitte? Ist's Heuchelei, ist's Kommödie? Oder 
etwa Poesie zur Prosa der Civilehe? Möglich, daß es 
etwas von allem ist. Was thun? Man geht vielleicht 
noch in den Beichtstuhl, nicht um die Verzeihung der 
Sünden zu erhalten, sondern eine Formalität zu erfüllen; 
man erscheint am Altar, nicht um Gnade zu erhalten, 
sondern um der nun einmal noch üblichen Sitte nachzu¬ 
kommen. Der Priester empfängt das Versprechen der 
Brautleute, spricht die Worte des Segens über sie; die 
Feier ist beendet; das junge Ehepaar geht aus der Kirche 
mit dem entweihten Segen, der sich in einen Fluch ver¬ 
wandelt, geht aus der Kirche zu den Freuden des Hoch¬ 
zeitsmahles, da ist alles fröhlich und heiter, Toaste voll 
Schmeichelei und Segenswünsche fallen, die Musik spielt 
fröhliche Weisen, aber die Schutzengel trauern. Und mit der 
Gesellschaft frohlockt — wer? Der Erzfeind alles Guten und 
Freund alles Bösen. Wenn dann später in solchen 
Familien mancherlei Uuglücke, der Ehebruch einzieht, wenn 
vielleicht Scheidung und Wiederverheiratung erfolgt, ist 
 
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 
M 
Digitalisierungsvorlage. 
)
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer