Volltext: Führer zum Himmel

über Ehehindernisse usw. Den Staat berühren nur
die bürgerlichen Folgen, und er bestimmt und ordnet
nur die Ansprüche und Rechte der Ehegatten und
ihrer Kinder auf Vermögen und zeitliche Güter, ge-
währt der Familie den öffentlichen Rechtsschutz usw.
Die sogenannte Ziviltrauung aber darf von Katho-
liken nicht als gültige Ehe betrachtet werden.

Die von der Kirche nämlich festgesetzte Form der
gültigen Eheschließung ist diese: die Brautleute er-
klären vor dem Diözesanbischof oder Ortspfarrer oder
vor einem durch einen der beiden hierzu bevollmäch-
tigten Priester und vor mindestens zwei
Zeugen
, daß sie sich zur Ehe nehmen. (Neues
Kirchl. Gesetzbuch can . 1094.)

Dieses Gesetz gilt auch sowohl für die Misch-
ehen
wie für die rein katholischen Ehen im
deutschen Reiche
. Mischehen also vor dem
nichtkatholischen Religionsdiener

sind auch in Deutschland (ab 19. Mai 1918) un-
gültig
; ebenfalls ungültig sind Ehen mit
bloßer Ziviltrauung
, auch wenn nur ein
Teil katholisch ist.

Zudem verfallen ohne weiteres der Strafe des
Kirchenbannes jene Katholiken, welche die
kirchliche Trauung vor einem nichtkatho-
lischen Religionsdiener
vollziehen, oder
welche ihre Kinder einer nichtkatholischen
Religionsgemeinschaft zuführen
,
oder welche mit Vorbedacht ihre Kinder
akatholisch taufen
oder erziehen
lassen
oder bei Eingehung der Ehe die akatho-
lische Kindererziehung
ausdrücklich oder
stillschweigend vereinbaren . (Neues Kirchl.
Gesetzbuch can . 1102 § 2.)

Nur bei wahrer Reue wird diese Strafe nach-
gelassen, nachdem das Aergernis möglichst wieder
gutgemacht ist. Eine bewußt ungültige
Ehe
aber mit Ausübung der ehelichen Rechte stellt
ein schwer sündhaftes Verhältnis dar, und der
Katholik kann nicht zu den Sakramenten zugelassen
werden, bis er eine solche Ehe vor seiner Kirche in
Ordnung gebracht hat.

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