Full text: Egger, Augustinus: ¬Der christliche Vater in der modernen Welt

läßt, leicht zum seichten Schwätzer werden,
der mehr sagt, als er weiß und versteht,
der es mit der Wahrheit nicht genau nimmt,
der sich mit seiner vorschnellen Zunge viele
Verlegenheiten bereitet, in denen sein Feh-
ler sich selbst bestraft. Ueberlegung und Be-
sonnenheit im Reden ist von Bedeutung für
den sittlichen Charakter, aber auch für die
Achtung und das Zutrauen der Mitmenschen,
die über einen Schwätzer mindestens die
Achseln zucken.

Die Klugheit, die Stütze der übrigen Tu-
genden, muß selber wieder von ihnen unter-
stützt werden. Insbesondere hat sie zu ihrer
Voraussetzung ein gewisses Maß von Be-
scheidenheit
, Demut und Selbsterkennt-
nis
. Es muß schon in der Erziehung vor-
gesorgt werden, daß der Jüngling nicht durch
thörichtes Selbstvertrauen verblendet wird. Die
Welt ist voll von warnenden Beispielen, an
denen der Vater dem Jüngling zeigen kann,
wohin Unbesonnenheit, Unbelehrbarkeit und
zu großes Selbstvertrauen führen. Ebenso giebt
es Gelegenheiten genug, dem Sohn seine eigene
Unerfahrenheit zum Bewußtsein zu bringen.

Als Salomon zur Regierung gelangte,
betete er in einem Gesichte zu Gott: ‘„Gott
und Herr, Du hast deinen Knecht zum König
gemacht, und ich bin doch nur ein schwacher
Jüngling und weiß weder meinen Ausgang,
noch meinen Eingang. Du wollest darum
deinem Knechte ein gelehriges Herz geben.“’

Und der Herr sprach zu Salomon: ‘„Weil du
solches begehrt und nicht gebeten hast um
langes Leben, noch um Reichtum, sondern
um Weisheit gebeten hast, so habe Ich dir
gethan nach deinem Worte, und dir ein wei-
ses und verständiges Herz gegeben, so daß
deinesgleichen nicht vor dir gewesen, noch
nach dir aufstehen wird. Aber auch das, um
was du nicht gebeten, habe Ich dir gege-
ben: Reichtum und Ehre, so daß niemand dei-
nesgleichen gewesen unter allen Königen in
den vorigen Tagen.“’
(III. Kön. 3, 7. ff.)

Wenn man den Jüngling so erzieht, daß
er in wichtigen Anliegen so betet, wie Salomon,
dann Heil ihm! Dann wird ihm die wahre
Klugheit nicht fehlen, er wird nicht bloß in
den höchsten und ewigen Angelegenheiten zu
jenen klugen Dienern gehören, die der Herr se-
lig preist (Matth. 24, 26.), sondern er darf hoffen,
der Herr werde ihm, wie einst Salomon, auch
das geben, um was er nicht gebeten hat.

(Verrichte die ‘„Andacht zum heiligen Geiste“’ . S. 461.)

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