Full text: Egger, Augustinus: ¬Der christliche Vater in der modernen Welt

von Sales hatte ein sehr aufbrausendes Tem-
perament, und doch ist er ein Muster der
Sanftmut geworden. Der heilige Ignatius
wurde ein seltener Meister in dem überleg-
ten und besonnen Handeln, während sein
Temperament eher zum Gegenteil geneigt
war. Das ist die sittliche Seite der Charakter-
bildung. Dieselbe ist unentbehrlich, aber für
sich noch nicht genügend.

Der echte Charakter handelt nicht bloß
nach den Angewöhnungen der Erziehung,
sondern nach Grundsätzen. Er handelt nach
den Forderungen des Gewissens, welches aus
einer festen religiösen Ueberzeugung seine
Kraft schöpft. Religion und Gewissen, diese
sind es, welche den Charakter über alles
menschliche Schwanken erheben und ihn zuver-
lässig und unerschütterlich machen, und ihn
von menschlicher Einseitigkeit befreien. Ein
solcher Charakter bildet die harmonische Ver-
bindung scheinbar entgegengesetzter Tugen-
den. Man findet auch bei den Heiden
Charaktere, die etwas Großes an sich ha-
ben, aber nie fehlt auch ein Zug der Ein-
seitigkeit und Härte. Anders ist es bei den
christlichen Heiligen. Z.B. die Martyrer ha-
ben ihren Charakter nach allen Seiten be-

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