Full text: Egger, Augustinus: ¬Der christliche Vater in der modernen Welt

ger, die Kirche ihre Gläubigen. Nur wenn
die Familie das leistet, was sie soll, kann es
mit den beiden über ihr stehenden Gesellschaf-
ten gut bestellt sein. In Bezug auf die bür-
gerliche Gesellschaft bemerkt P . A. M. Weiß:
‘„Wenn es nicht gelingt, die Ueberzeugung
allgemein zu machen, daß das Heil der Ge-
sellschaft vor allem von der Heilung und
Heiligung der Familie abhängt, dann ist es
kaum der Mühe wert, über die Lösung der
socialen Frage ein Wort zu verlieren.“’
In
Bezug auf die Kirche bemerkt ein anderer
Kenner des Volkslebens, A. Kolping: ‘„Pre-
diget und unterrichtet an Einzelnen so viel
ihr wollt, wenn das Familienleben die gute
Aussaat nicht in Schutz und Pflege nimmt,
wird euere aufgewandte Mühe meist wie
Wasser im Sande verrinnen. Ja, ich weiß
nicht, ob für das Gedeihen der Religion noch
Hoffnung ist, wenn diese kostbare Gottesgabe
nicht in dem keuschen Schoße tüchtiger Fa-
milien gehegt und bewahrt wird.“’
Und bei-
des zusammenfassend sagt der Heilige Vater
Leo XIII.: ‘„Je fester die Tugend in den Fa-
milien gegründet ist, je eifriger die Eltern
die Seelen der Kinder durch Wort und Bei-
spiel nach den Grundsätzen der Religion bilden
und erziehen, desto größere Vorteile wer-
den daraus für die gesamte Gesellschaft er-
wachsen.“’

Leider sind Familienleben und Erziehung
heutzutage weit entfernt, ihrer hohen Auf-
gabe zu entsprechen. Darüber wird allgemein
geklagt, und es kann sich nur darum handeln,
die Ursachen zu erkennen und die richtigen
Heilmittel anzuwenden. Zunächst wird das
Familienleben geschädigt durch das heutige
Erwerbsleben. Mit Ausnahme von bäuer-
lichen Kreisen, die immer enger werden,
werden die meisten Väter durch ihre Berufs-
arbeiten fast den ganzen Tag von ihren Fa-
milien ferngehalten. Oft ist das selbst bei
der Mutter der Fall, und noch öfter bei den
heranwachsenden Kindern. Vielfach sind es
nur noch das Essen und die Nachtruhe, welche
die Familien unter einem Dache vereinigen.

Eine weitere Gefahr liegt in der Un-
beständigkeit des Wohnsitzes. Die Seßhaftig-
keit, die den Mann an die Scholle seiner
Heimat bindet, ein eigenes Haus, mag es
noch so niedrig sein, sind wichtig für das
Gedeihen und die Solidität einer Familie.
Die Sitten der Heimat, die Beziehungen zu
Verwandten und Bekannten, die Familien-

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