Full text: Egger, Augustinus: ¬Die christliche Mutter

Monika wurde noch jung mit Patri-
tius vermählt, der in Gesinnung und
Leben ein Heide war. Ihr heiliger Sohn
schildert nun ihr Verhalten als Gat-
tin in folgender Weise: ‘„Sie be-
mühte sich von nun an, ihn für Dich
zu gewinnen, o Herr, indem sie zu ihm
von Dir durch die Heiligkeit ihrer Sit-
ten sprach, welche dazu dienten, ihre
Schönheit in seinen Augen zu erhöhen
und ihr seine Liebe und Hochachtung
zu gewinnen. Ihre Geduld und Er-
gebung hinsichtlich seiner Untreue war
aber auch so groß, daß nie deshalb
der geringste Zwiespalt zwischen ihnen
entstand. Sie wartete, bis ihm deine
Erbarmung den Glauben und die Keusch-
heit zugleich gäbe. Da er aber unge-
achtet seines aufmerksamen Wohlwol-
lens für sie heftig und aufbrausend
war, so hatte sie sich zum Gesetze ge-
macht, ihm während der Aufwallungen
seines Zornes nie weder durch Hand-
lungen, noch selbst durch Worte zu wi-
derstreben. Wenn aber die Ruhe auf
den Sturm gefolgt, und er wieder zu
sich gekommen war, dann wählte sie
die Gelegenheit, ihn auf seinen Fehler
aufmerksam zu machen, wenn er wirk-
lich ohne Grund aufgebraust war. Mehrere
vornehme Frauen, deren Gatten weit
weniger heftig waren als der ihrige,
sahen sich gleichwohl von ihnen miß-
handelt, und zwar so, daß sie die Spu-
ren der erhaltenen Schläge auf ihren
Gesichtern trugen. In ihren vertrau-
lichen Unterhaltungen beklagten sie sich
über das rohe Benehmen ihrer Gatten.
Meine Mutter entgegnete ihnen, daß
sie vielmehr ihrer Zunge die Schuld
beimessen sollten. Dann fügte sie, in-
dem sie einen ernsten Rat in einen
Scherz kleidete, hinzu, sie hätten schon
damals, als man ihnen ihren Ehever-
trag vorlas, diesen als die Urkunde
ihrer Knechtschaft betrachten sollen. Sie
sollten demnach ihren Stand nicht ver-
gessen, und sich nicht gegen ihre Herren
erheben. Eben diese Frauen, welche
wußten, wie jähzornig ihr Mann sei,
wunderten sich sehr, daß man nie wahr-
genommen, ja, nicht einmal sagen hörte,
Patritius habe seine Frau geschlagen,
oder es sei auch nur einmal ein häus-
licher Zwiespalt zwischen ihnen gewesen.
Als meine Mutter vertraulich um den
Grund gefragt wurde, legte sie ihr Ver-
halten dar, wie es oben angegeben
wurde. Diejenigen, welche sich bestreb-
ten, ihr Beispiel nachzuahmen, befan-
den sich besser dabei und dankten ihr
dafür, während die anderen weitere
Mißhandlungen zu erdulden hatten.’

‘Aehnlich verhielt sich meine Mut-
ter gegen ihre Schwiegermutter. Diese
hatte sich durch die lügenhaften Ein-
flüsterungen einiger Mägde gegen ihre
Schwiegertochter einnehmen lassen. Aber
bald wurde sie durch deren unermüd-
liches Zuvorkommen und ihre unver-
änderliche Sanftmut so sehr für sie ein-
genommen, daß sie selber dem Patri-
tius die Abscheulichkeit dieser bösen Zun-
gen anzeigte, und ihn bat, gegen die-
selben einzuschreiten, damit sie aufhören,
Unruhe und Zwietracht in die Familie
zu bringen. Der Vater verfuhr nach
ihrem Willen und alsdann erklärte sie
den Schuldigen, daß sie dies immer zu
gewärtigen hätten, sobald sie, um ihr
zu gefallen, falsche Anzeigen gegen ihre
Schwiegertochter machten. Von dieser
Zeit an wagte es keine mehr, und so
lebten beide in der innigsten und voll-
kommensten Freundschaft....’

‘Endlich hatte sie die Freude, ihren
Gatten kurz zuvor, ehe er aus dieser
Welt ging, deinem Gesetze, o Herr, zu
gewinnen. Sobald er sich der Wahr-
heit ergeben hatte, flossen die Thränen
seiner Gattin nicht mehr über die Un-
ordnungen, die sie in schweigender Er-
gebung beweint hatte, da er noch kein
Christ war“’
. (Aug. Bekenntnisse, IX, 9.)
So befolgte die heilige Monika die
Mahnung des heiligen Petrus, sie war

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