Full text: Cramer, Wilhelm: ¬Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll

Die Erzbruderschaft der christlichen
Mütter.

Nachdem wir nun im Vorhergehenden die Hauptpunkte,
welche für eine wahrhaft religiöse und gute Erziehung der
Kinder Beherzigung verdienen, erörtert haben, dürfen wir
das ganze nicht beschließen, ohne auf einen Verein auf-
merksam gemacht zu haben, welcher den nämlichen Zweck
verfolgt, wie unser Büchlein; es ist die ‘„Erzbruderschaft
der christlichen Mütter.“’
Ein wahrhaft zeitgemäßer, ein
herrlicher Verein! Es ist wahr, es gibt der Vereine heut
so viele, daß man in wohlbegründeter Furcht vor dem
Uebermaß so fast unwillkürlich eine gewisse Scheu fühlen
mag, wenn dann noch wieder von einem neuen Verein
die Rede ist. Und dennoch können wir dem in Rede
stehenden nicht warm genug das Wort reden, und wir
möchten an alle Mütter die Aufmunterung richten, doch
einem Verein, welcher der Art und den Bedürfnissen un-
serer Zeit in so hohem Grade entspricht, wo möglich bei-
zutreten.

Lassen wir zunächst eine beredte Anwaltin des schönen
Vereins, die vor einigen Jahren zu unserer h. Kirche zu-
rückgekehrte, jetzt in Mainz lebende Gräfin Hahn-Hahn über
denselben reden:

‘„Es war im Mai des Jahres 1850 als in der Stadt
Lille in Frankreich einige fromme Mütter voll Sorgen um
ihre Kinder sich besprachen, um gemeinsam für ihre ver-
schiedenen Anliegen zu beten, sie dem Schutze der h. Got-
tesmutter zu empfehlen und in dieser Intention das Opfer
der h. Messe darbringen zu lassen. Aus diesem so ganz
einfachen und schlichten Vorgang, in einem Winkel von
Frankreich, ist der Gebetsverein der ‘„Christlichen Mütter“’
hervorgegangen, der jetzt, nach zwanzig Jahren, wie mit
zärtlichen Mutterarmen den Erdball umspannt, denn in
Nordamerika, in Brasilien, in Ostindien, in der Türkei,
nicht blos in Europa, bestehen canonisch eingeführte
Filialen.’

‘Zuerst kam die Kunde der gemeinsam betenden Mütter
von Lille nach Paris. Was daher einige Frauen in Lille
gethan und so viel Trost und Kraft daraus geschöpft hat-
ten, daß sie ihre andächtige Vereinigung fortsetzten: das
geschah jetzt im größeren Maßstab, unter zahlreicher Be-
theiligung in Paris. Da sich nun mehr und mehr Mütter
dem ersten Kern anschlossen: so gab sich bald das Bedürf-
niß kund, einerseits die Vereinigung dauernd zusammen-
zuhalten – durch gewisse Statuten; und andrerseits sie
so fruchtbringend und anregend wie möglich zu machen
– durch Vorträge über die Pflichten, die Würde, die
Stellung, die Lebensaufgabe der Mutter.’

‘Nach und nach meldeten sich noch viele auswärtige Mit-
glieder zum Anschluß, daß man sehr bald in anderen
Städten Filialen gründete und so lebhaft war die Bethei-
ligung, daß schon im Jahr 1856 der Verein in Paris zur
Erzbruderschaft erhoben und mit zwölf vollkommenen Ab-
lässen im Jahr durch päpstliches Breve begnadigt wurde.
Von der Erzbruderschaft gingen nun nach und nach in
alle Weltgegenden die Affiliationsurkunden aus, welche die
canonische Einführung eines Zweigvereins begründen und
bezeugen.’

‘Zehn Jahre später wurde der erste Verein in Deutsch-
land zu Mainz gegründet. Seitdem hat nun der Verein
einen recht erfreulichen und trostreichen Fortschritt ge-
wonnen, denn es beginnt die Theilnahme für die Christ-
lichen Mütter, die Frage nach ihnen, an verschiedenen Orten
zu erwachen und die Gründungen mehren sich.’

‘Nun ja! es ist ein Verein mehr zwischen zahllosen
Vereinen! – dies erwidert man vielleicht. Freilich wäre
er der Zahl nach zu entbehren, das räume ich gern ein;
aber nicht dem Wesen, nicht dem Ziel nach. Denn wir
dürfen uns nicht darüber täuschen: die Familie ist mit
Zerfall bedroht. Glaubensfeindschaft herrscht bereits -
oder soll in nächster Zukunft herrschen – in der Volks-
schule, in den Werkstätten, in den höheren Bildungsanstalten,
in der Tagespresse u.s.w. Ist der Glaube aus den
Herzen gerissen, so fallen die Grundsätze, die in ihm wur-
zeln, so verschwinden die Tugenden, welche die Früchte der
guten Grundsätze sind, so wird die Gesinnung erniedrigt
und jeder Sünde Thür und Thor geöffnet.’

‘In dieser Richtung bewegt sich heutzutage die Welt. Sie
hat einen unseligen Einfluß auf die Familie. Männer,
die durch Beruf oder Amt oder Stellung oder Geschäft
in steter Berührung mit dieser Richtung sind, verlieren
durch die Gewohnheit den klaren Blick und das freie Ur-
theil und lassen sich in dem Maße von ihr einnehmen und
umgarnen, als ihnen mehr oder minder die Selbstständig-
keit fehlt, die auf den Grundsätzen des katholischen Glau-
bens beruht. Diese Männer sind Ehegatten und Väter.
Werden sie ihre Kinder wahrhaft christlich erziehen?’

‘Die Mutter ist durch Stellung und Pflichten dem Welt-
verkehr ferner gerückt, als der Vater; sie wahrt daher
leichter, sicherer Glauben und christliche Sitten. Und so
hat sie es auch mit ihren Kindern gehalten, hat sie beten
gelehrt, hat ihnen von Gott und vom gekreuzigten Heiland
erzählt, hat sie unterrichtet oder ihren Katechismus über-
hört. Aber nun werden sie älter, nun besuchen sie die
Schulen, in denen der mütterliche Geist nicht weht; nun
treten sie in Berührung mit jugendlichen Genossen, nun
hören und sehen sie ja Vieles, was ihre Eitelkeit, Selbst-
gefälligkeit und Genußsucht anreizt. Die Mutter sieht es.
Mit einem Löwen würde sie kämpfen; aber mit der
Welt?! Vorstellungen, Bitten haben Zeit und Stunde;
das Kind ist leicht nicht geneigt, sie anzuhören, sie zu wür-
digen; auch schwächt die Wiederholung den Eindruck ab,
langweilt sogar. Arme Mutter! sie kann unmöglich ihr
liebes Kind der Welt und deren Gefahren überlassen, die
des Lebens Glück und Würde in der Zeit und das Heil
der Seele für die Ewigkeit bedrohen! Was kann sie thun?
– Sie kann beten. Aber ach! wie sinkt ihr das Herz,
wenn sie an die Sündfluth von Gefahren denkt, und an
ihr armes schwaches Gebet. Sei getrost, du arme Mutter
und tritt ein in die Bruderschaft der ‘„Christlichen Mütter“’ .
Da findest du Hülfe und Unterstützung, da hast du Ge-
nossinnen deiner Sorgen, da beten mit dir und für deine
Kinder 120,000 Mütter täglich das kleine Gebet, das du
als Mitglied dann auch für sie und ihre Kinder beten
wirst, da wird einmal im Monate das hochheilige Opfer
für dich und deine Anliegen dargebracht, in der h. Com-
munion vereinigt sich das göttliche Herz Jesu mit deinem
kummervollen Herzen, und ein frommer Priester gibt die
Belehrung über deine oft so verwickelten Pflichten, Ermah-
nungen, die deinen Muth heben und dir wieder und immer
wieder vorstellen, daß du eine ganz himmlische Aufgabe
hast, eine Aufgabe, welche dein Heiland mit dir theilt:
das Reich Gottes auf Erden auszubreiten und Seelen zu
retten für's ewige Leben.“’

So weit die edle Gräfin. So wollen denn unsere
Leserinnen es vor Gott überlegen, ob sie dem vortrefflichen
Vereine beizutreten sich nicht entschließen. Die Bedingungen,
welche wir hier unten folgen lassen, sind nicht schwer und
verpflichten ja auch nicht unter Sünde. Auch Mütter,
welche an Orten leben, wo die Bruderschaft nicht errichtet
ist, können Mitglieder sein; sie brauchen auch zur Gewin-
nung der Ablässe selbstrebend an den üblichen Versamm-
lungen nicht teilzunehmen; auch die monatliche Com-
munion wird nicht streng gefordert, wie auch die Leistung
eines Geldbeitrages dem Vermögen anheimgegeben ist. Man
hat sich also einfach in einem Briefe an einen Direktor


irgend eines Zweigvereins zu wenden; derselbe schreibt
dann als Mitglied ein und schickt die Statuten.

Die Statuten geben wir in Folgendem ihrem Haupt-
inhalte nach:

‘„Eine der heiligsten Pflichten christlicher Mütter – sagt
§ 1 der Satzungen – ist die Erziehung ihrer Kinder
nach dem Willen Gottes und im Geiste seiner h. Kirche,
durch welche sie für das Reich Gottes wiedergeboren sind.
Zu dieser Erziehung empfangen die Eltern besondere Gna-
den durch das h. Sakrament der Ehe. Diese Gnaden
zu bewahren , durch Mitwirkung im Gebet, durch Wort
und Beispiel, durch gemeinsame Erbauung und Fürbitte
zu mehren , ist der Zweck des kirchlichen Vereines christ-
licher Mütter.’

Durch denselben schließen sie sich innig an das unbe-
fleckte Herz der Gottesmutter , der reinsten und höch-
sten aller Mütter und treten zugleich unter sich in eine
Gemeinschaft ihrer Anliegen, Sorgen und
Gebete , um so die Fülle des göttlichen Segens für ihre
Kinder und ihre Familien desto sicherer zu erlangen.

Zur Aufnahme in den Verein oder die Bruderschaft -
sagt §. 2 – eignen sich katholische Mütter, seien es Ehe-
frauen oder Wittwen, jeden Standes, welche einen christ-
lichen Lebenswandel führen und den Vereinszweck er-
füllen wollen.

§. 3, 4, 5 und 6 handeln von der Vorstandschaft und
Verwaltung des Vereins. Es steht an der Spitze eines
jeden förmlichen Zweigvereins ein geistlicher Direktor.
Ferner wird eine Präsidentin, eine Vicepräsidentin und
Secretärin und 12 andere Mitglieder des Bruderschafts-
rathes gewählt. – Die Präsidentin hat den Vereinsrath
zusammenzuberufen und die Versammlungen anzuzeigen.
Sie hat die Gnadenerweisungen aufzuzeichnen, welche die
göttliche Barmherzigkeit den Gebeten der Bruderschaft er-
theilen dürfte. Sie nimmt alle erbaulichen Mittheilungen
an, welche ihr in dieser Beziehung die christlichen Mütter
machen werden, um daraus ihren Jahresbericht anzu-
fertigen.

§. 6 sagt: Familienmütter, die an Orten leben, in
welchen die Bruderschaft nicht kirchlich eingeführt ist,
können sich auch an einem anderen Orte, wo die Bruder-
schaft besteht, einschreiben lassen, um an den Gebeten
und guten Werken der christlichen Mütter Antheil zu
nehmen.

§. 7 bestimmt die Kirche für die Bruderschaft.

§. 8. Die kirchlichen Versammlungen finden einmal
im Monate statt, wenn thunlich an einem Tage, an wel-
chem den Mitgliedern ein vollkommener Ablaß gewährt ist.

Es wird eine h. Messe nach der Meinung der Mitglie-
der gelesen und eine Betrachtung oder Erbauungsrede ge-
halten. Schließlich finden gemeinsame Gebete statt, um

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