Full text: Cramer, Wilhelm: ¬Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll

die Scham aus dem Menschen verschwunden, so
steht er aller Schande der Unlauterkeit offen, so
ist er zu Allem fähig und kommt, wo die Gelegen-
heit es bringt, leicht zu Allem. Eben darum ist
es von unendlicher Nichtigkeit, daß dieses heilige
Schamgefühl bei den Kindern nicht verletzt werde;
daß es geschont, gehegt, gefördert, daß es recht
zart erhalten werde und daß man daher im Hause
Alles in Wort und That vermeide, was ihm ge-
fährlich oder nachtheilig sein könnte.

Möchte doch das hier Gesagte überall die ge-
bührende Berücksichtigung finden; auf daß die heil.
Unschuld, die Keuschheit in den christlichen Familien
eine Zufluchtsstätte, in der Fürsorge der Mutter
eine schützende Obhut finde! Jemehr in der Welt
in unsern Tagen die Unzucht herrscht und alles
höhere Leben zu vernichten und alles wahre Le-
bensglück zu stören drohet, – desto mehr herrsche
in unsern Häusern die heilige Zucht ! Dann
wird es, so Gott will, wahr werden, daß mehr
und mehr in einem solchen Hause ein keusches
Geschlecht wohne, keusche, ehrbare Eltern, un-
schuldige Kinder und sittsame Dienstboten, und es
wird auf ein solches Haus Anwendung finden,
was der h. Geist spricht: ‘„O wie schön ist ein
keusches Geschlecht im Tugendglanze! denn un-
sterblich ist sein Andenken, und bei Gott und Men-
schen ist es anerkannt; ist es gegenwärtig, so ahmt
man ihm nach, entzieht es sich den Augen, so sehnt
man sich darnach und ewig triumphirt es mit
der Siegeskrone und trägt den Preis für
die Kämpfe unbefleckter Reinigkeit .“’
(Buch
der Weish. 4, 1-2.)

Die Anleitung.

Ein Gärtner hat durch eine besondere Gunst der
Umstände überaus kostbaren Samen zu den selten-
sten, herrlichsten Blumen erhalten. Nun hat er
denselben dem Boden seines Gartens anvertraut;
schon keimt er; schon sprießen die zarten Pflänzchen
aus der Erde hervor. Wird er fernerhin unbe-
kümmert um dieselben sein? O nein! Er hat
große Sorge um sie; er sieht nach ihnen täglich
von Neuem, leicht wiederholt am Tage. Nicht ge-
nug, daß er mit großer Sorgfalt Alles von ihnen
fern zu halten sucht, was ihnen schädlich und ge-
fährlich sein würde, so hegt und pflegt er dieselben,
wie und so viel er kann, damit sie wohl gedeihen
und sich ganz nach ihrer Art zu voller Schönheit
und Herrlichkeit entwickeln.

Ein treffender Fingerzeig für christliche Mütter!
Was sind die seltensten und schönsten Blumen ge-
gen jene Pflänzlinge, welche Gott selbst in des
Kindes Herz eingefügt hat?! Samenkörner gleich-
sam von Himmelsauen her; – Keime, durch die
unendliche Huld des Herrn aus Seinem hochherr-
lichen, anbetungswürdigen Wesen selbst in's Men-
schenwesen gelegt, auf daß sie da mehr und mehr
zur Herrlichkeit der christlichen Tugenden sich ent-
faltend den armen Menschen einführen in immer
größere Aehnlichkeit mit Gott. An ihnen soll die
Mutter eine Gärtnerin sein.

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