Full text: Cramer, Wilhelm: ¬Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll

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ihre Kinder ohne Aufsicht und so fast gänzlich nach 
eigenem Belieben gehen und thun, wie sie eben wollen. 
Wie manches Kind geht über dem Mangel an dieser 
pflichtmäßigen Wachsamkeit und Aufsicht des Vaters 
(der Mutter) zu Grunde! 
Man pflegt in Betreff dieses Punktes darauf 
hinzuweisen, wie manche Väter mehr Sorge haben für 
ihr Vieh, als für ihre Kinder, für deren Seelenheil, 
indem sie wohl und zwar recht angelegentlich darauf 
bedacht seien, von jenem Gefahr, Schaden und Nach¬ 
theil abzuhalten, während sie ihre Kinder den größten 
Gefahren für ihr Seelenheil in unbegreiflicher Sorg¬ 
losigkeit hingeben. Wie berechtigt ist vielfach dieser 
Vergleich! Aber er wird auch zur Zeit zum Zeug¬ 
nisse wider sie auftreten, um das Urtheil der Ver¬ 
dammniß über solche Gewissenlosigkeit zu begründen. 
Also das Erreichbare in dieser Hinsicht anzu¬ 
streben, das erscheint als h. Pflicht des christlichen 
Vaters. — Und was dürfen wir zu dem Erreich¬ 
baren rechnen? Zunächst doch, daß der Vater (die 
Mutter), so viel an ihm, Kenntniß zu haben suche, 
wo das Kind, der Sohn, die Tochter sich befinden, 
wenn sie, vollends auf längere Zeit, außer dem Hause 
sich befinden, mit welchen Menschen sie verkehren. 
Fernerhin soll er sich Kunde zu verschaffen suchen, 
was für Orte das sind, wo seine Kinder sich auf¬ 
halten, was für Menschen, womit sie verkehren, was 
für Unterhaltungen und Vergnügungen, denen sie 
nachhängen, was an diesen Orten, mit diesen Men¬ 
schen, mit diesen Vergnügungen getrieben wird. Läßt 
der Vater sich dieses, wie er's soll, am Herzen liegen, 
so wird es ihm an Mitteln und Wegen dazu nicht 
fehlen. Er wird nach Umständen den Sohn, die 
Tochter auffordern, Rechenschaft über das Betreffende 
Digitalisierungsvorlage: 
1 
Erzbischt 
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