Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Die christliche Familie

III.
Die Erziehung der Kinder.

Einfache, schlichte Menschen, die das Licht des Glaubens erleuchtet, besitzen manchmal eine bewun-derungswürdige praktische Lebensweisheit, mit der sie Andere, die sich viel auf ihre Kenntnisse einbilden, zuweilen sehr beschämen könnten. Ein einfacher, aber braver Handwerker, ein Tischlermeister, arbei¬tete sehr fleißig und verdiente viel Geld. Aber er verschwendete sein Geld nicht, vermied vielmehr ge¬wissenhaft alle unnöthigen Ausgaben. — ‘„Meister, was macht ihr denn mit euerm Gelde, da ihr ja so einfach lebet?"’ , frug ihn eines Tages sein Nach¬bar. Der brave Mann antwortete: ‘„Ich zahle theils meine Schulden ab, theils lege ich das Geld als Kapital verzinslich an."’ ‘„Ei,"’ sprach der Nachbar, ‘„ihr scherzet; ihr habet ja keine Schulden und daß ihr viel Geld auf Zinsen ausgeliehen, davon ist mir auch noch nichts zu Ohren gekommen."’ ‘„Und doch ist es so,"’ sprach der Tischlermeister, ‘„lasset euch die Sache nur erklären. Sehet, alles Geld, das meine lieben, guten Eltern seit der Stunde, wo ich das Tageslicht zum erstenmal erblickte, auf mich verwendet haben, sehe ich als eine Schuld an, die ich zurückzahlen muß, und darum sorge ich äußerst gewissenhaft für meine Eltern in ihren alten Tagen. Das Geld aber, das ich auf meineKinder verwende, um sie etwas Tüchtiges lernen zu lassen, sehe ich als ein Kapital an, das sie mir dereinst, wenn ich selbst alt bin, sammt den Zinsen zurückzahlen wer¬den. Das ist meine sichere Hoffnung."’ — Daß doch alle Eheleute diese edle Gesinnung des braven Tischlermeisters besüßen! Wie würden sie dann ihre alten Eltern und Schwiegereltern in Ehren halten und nach Kräften für sie sorgen! Wie würden sie Alles aufbieten, um ihre Kinder zu braven, tugendhaften Christen und zu tüchtigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen! Durch das Erstere würden sie sich den Segen Gottes verdienen, durch das Zweite sich kostbare Schätze und große Reichthümer für die Zukunft erwerben. Denn brave Kinder sind für die Eltern ein größeres Gut, ein weit kostbarerer Schatz als große Summen, als ganze Berge von Silber und Gold. Um die Eltern anzueifern, diesen kostbaren Schatz zu heben, wollen wir jetzt eine Erwägung über die Kindererziehung anstellen und erstens die Hauptbeweggründe in's Auge fassen, welche sie zu einer guten Erziehung

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