Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Die christliche Familie

mehr zurückhalten; freudig bewegt gab sie dem Arzte die Hand und/sprach: ‘„Mit großer Freude nenne ich Sie meinen theuern Sohn. Ihre Gesinnung bürgt mir für Ihr und meiner Tochter Glück. Ja, wir Alle wollen mit einander beten und die heiligen Sakramente empfangen." ’ Doch dabei ließ es der tugendhafte Arzt noch nicht bewenden. Acht Tage lang ließ er täglich das heilige Meßopfer für sich und seine Braut darbringen. Am schönsten und rührendsten aber war es, am Tage der Trauung selbst hie Braut¬leute mit Andacht an den Tisch des Herrn treten zu sehen, den Bräutigam begleitet von seinem ehr¬würdigen Vater und seiner guten Mutter, die Thrä-nen der Freude und Rührung weinten, die Braut begleitet von ihrer Mutter und Großmutter, die mit all' ihren Kindern aus der Hand des opfernden Priesters die heilige Communion empfingen.

Noch ein anderes Beispiel, das uns zeigt, wie ernst es brave christliche Brautleute mit der Vor-bereitung auf die Ehe nehmen. Ein junger, sehr reicher Herr, der im Begriffe stand) ein Fräulein zu heirathen, das ihm außer manchen Gaben des Geistes und des Körpers vier hundert tausend Mark mitbrachte, schickte seiner Braut jeden Mor¬gen ein kostbares, theures Vlumenbouquet. ‘„Wie viel bezahlst Du dafür?"’ fragte die Braut einmal. ‘"Fünfzehn Mark," ’ antwortete der Bräutigam. ‘„Wir Note: P. Matthias, Die christliche Familie. wollen uns in zehn Tagen heirathen; bis dahin willst Du also noch hundert und fünfzig Mark dafür ausgeben; bitte, laß die Bouquets bei Seite und gib mir das Geld."’ — Der junge Herr er¬klärte sich natürlich dazu bereit, aber nicht ohne ein unangenehmes Gefühl. Er fürchtete nämlich, seine Vraut sei nicht frei vom Geize, einem Laster, das er sehr verabscheute. Aber die Vraut, welcher das Erstaunen des Bräutigams nicht entgangen war, zögerte nicht lange, ihn vollkommen zu beruhi-gen. ‘„Du erlaubst mir gewiß,"’ sagte sie lächelnd, ‘„daß ich dieses Geld einer armen, sehr unglücklichen Frau schenke; sie wird für uns beten, und das wird uns mehr nützen als der beste Blu-menduft."’ — Am andern Morgen brachte der Bräutigam seiner Vraut dennoch abermals einen Blumenstrauß, für den er jedoch nur zehn Pfennig bezahlt hatte, aber der Griff des Straußes war umwickelt mit zehn Banknoten von hundert Mark. Rings herum standen die Worte: ‘„Für die Armen."’

Wahrlich, das sind herrliche Beispiele, die zeigen, wie man sich auf einen so ernsten Schritt des Lebens würdig vorbereiten soll. Möchten doch recht Viele nach ihren Verhältnissen und in ihrer Weise dieselben nachahmen!

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