Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Der christliche Mann in seinem Glauben und Leben

und das äußere Glück eines Volkes, ja kann sogar
Vieles zur Erhaltung und Hebung seiner Sittlichkeit
beitragen. Die Unmäßigkeit im Trinken nun ist die
größte Feindin des Wohlstandes. Ein altes Sprich-
wort sagt schon: ‘„ Der tägliche Gläserklang ist
des Wohlstands Grabgesang
.“’
Die meisten
meiner Leser kennen wahrscheinlich Familien, die früher
wohlhabend und glücklich waren, durch die Trunksucht
des Mannes aber in Armuth und großes Elend ge-
sunken sind; sie kennen Familien, in denen ganz gut
ein gewisser Wohlstand herrschen könnte, wenn nicht
das Wirthshausleben einen großen Theil des wöchent-
lichen Arbeitslohnes verschlingen würde. Muß denn
nicht in eine Familie von drei oder vier Kindern Noth
und Armuth ihren Einzug halten, wenn der Vater, ein
Handwerker oder Taglöhner oder niederer Beamter, täg-
lich oder doch öfter in der Woche eine für seine Ver-
hältnisse ziemlich hohe Summe Geldes für geistige Ge-
tränke verausgabt? ‘„ Operarius ebriosus non locu-
pletabitur
. Ein trunksüchtiger Arbeiter ge-
langt nicht zu Wohlstand
.“’
(Jes. Sir. 19, 1.)
Ein berühmter Arzt, Dr . Baer, der die Menschen und
die Gesellschaft gründlich kennen gelernt hat, sagt: ‘„Die
Trunksucht ist ein Haupthinderniß für die Beseitigung
der bereits vorhandenen Armuth und eine der häufigsten
Ursachen für die Entstehung derselben.“’
Und es war ein
weises Wort, welches einst ein deutscher König, Friedrich
Wilhelm III. von Preußen, gesprochen: ‘„Ich würde es
für den größten Segen meiner Regierung halten, wenn
während derselben die Branntweinsteuer auf Null herab-
sänke, wenn sie gar nichts mehr eintragen würde.“’

5.

Die meisten von euch, verehrte christliche
Männer, sind Familienväter. Diese wich-
tige Stellung, soll sie ganz und segens-
reich ausgefüllt werden, verträgt sich durch-
aus nicht mit der Unmäßigkeit
. Mancher
Unmäßige und Trunkenbold ist Gatte. Seine Gattin
hegte einst in früheren Jahren die frohe Hoffnung,
später an seiner Seite ein zufriedenes und glückliches
Leben zu führen; sie hat in dieser Hoffnung Vater und
Mutter verlassen; sie hat ihm ihre Jugend und Schön-
heit, ihr Herz und ihre Liebe, ihre Kräfte und Arbeiten,
ja man kann sagen, ihr ganzes Leben geschenkt. Er
hat ihr dafür versprochen, sie glücklich zu machen, für
sie zu sorgen wie für seinen eigenen Augapfel; er hat
in jugendlicher Begeisterung ihr ewige Treue geschworen
und zum Zeichen dieser Treue ihr einen goldenen Ring
gegeben; dann hat er endlich am Altare ihr seine Hand
zum Lebensbunde gereicht und sich feierlich vor Himmel
und Erde verpflichtet, sie als seine Lebensgefährtin
stets zu lieben und ihr ein treuer christlicher Gatte zu
sein. Doch was thut nur zu oft der unmäßige und
trunksüchtige Mann? All' diese feierlichen Versprechen
und Schwüre der Treue und Liebe bricht er; all' seine
Pflichten, die ihm Gott gegen seine Gattin auferlegt,
tritt er rücksichtslos mit Füßen. Die, welche er lieben

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