Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Der christliche Mann in seinem Glauben und Leben

eine Freude zu bereiten. Ab und zu, namentlich
am Namenstag und andern festlichen Tagen, macht
er ihr ein Geschenk, wie es ihm seine Vermögens-
verhältnisse erlauben. Solche Zeichen der Aufmerk-
samkeit sind, mögen es auch an sich nur Kleinig-
keiten sein, sehr dazu angethan, das Band der Liebe
und des Friedens enger um die Herzen der Eheleute
zu schlingen.

Liebt der Mann wahrhaft in christlicher Weise seine
Frau, so wird er auch Geduld und Nachsicht üben mit
ihren Fehlern und Unvollkommenheiten. Alles heftige
Aufbrausen, alles Toben und Schimpfen kann hier nur
verderben, die Sache nur schlimmer machen. Wirft
man einen harten Stein auf einen andern, so gibt es
ein starkes Getöse und die Feuerfunken sprühen nach
allen Seiten; wirft man aber einen harten Stein in
weiche, zarte Wolle, so hört man kaum sein Auffallen
und sieht keinen einzigen Feuerfunken auffahren. Aehn-
lich ist es auch in unserem Falle. Mit fünf ruhigen
Worten erreicht der vernünftige Mann zehnmal mehr
bei seiner Gattin, als der aufbrausende Hitzkopf durch
eine lange Schimpfrede von einer halben Stunde. ‘„Ein
gutes Wort findet einen guten Ort.“’
Und der heil.
Franz von Sales sagt: ‘„Mit einem einzigen Tropfen
Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem großen
Faß Essig.“’

„Ist deine Gattin unbesonnen, schwatzhaft, streit-
süchtig, zornig u.s.w., dann soll es dein ernstes
Streben sein, sie auf bessere Wege zu bringen. Das
kann aber nur geschehen auf dem Wege der Geduld,
Sanftmuth und Güte. Einen Brand löscht man nicht
dadurch aus, daß man neuen Brennstoff herbeiträgt,
Oel in's Feuer gießt. Menschen sind Menschen, ein
jeder hat seine schwache Seite und so wird es auch nicht
ausbleiben, daß die Sonne ehelicher Eintracht ab und
zu umwölkt wird von kleineren Mißhelligkeiten und
Streitigkeiten; da darf aber die Sonne niemals unter-
gehen über einem derartigen Hauskrieg. Knarrt eine
Thüre in ihren Angeln, so wird gleich ein wenig Oel
aufgegossen und die Thüre wieder in leichten Gang ge-
bracht. Treten Zwistigkeiten im Ehestande zu Tage,
so stille sie gleich durch das Oel der Liebe. Du magst
im Rechte sein oder nicht, reiche der Gattin ohne Vor-
würfe die Hand der Versöhnung. Wenn dein Stolz
sich dagegen empören will, so denke daran, daß du der
Gattin den Ring gerade an jenen Finger gesteckt, von
wo aus eine Ader zu ihrem Herzen, dem Sitze der
Liebe geht. Indem du dich selbst überwunden, wirst
du zugleich das Herz deiner Gattin überwinden, und
sie wird sich ein andermal beeilen, zuerst die ver-
söhnende Hand zu bieten. Die Liebe sucht gemeinsam
Leid wie Freud zu tragen. Wahrhaft liebende Eheleute
müssen wie zwei Augen sein, von denen das eine im-
mer hinblickt, wohin das andere sich wendet. Der
Mann als der Stärkere muß auch die größere Last
übernehmen, und kann er das Leid der Gattin nicht
abnehmen, dann wird er wenigstens Alles aufbieten,
ihr Trost zu spenden, ihr Leid zu lindern, wo und
wie er kann .“

Besitzt der Mann eine wahre christliche Liebe zu
seiner Gattin, dann trägt er gewissenhaft Sorge für
ihren leiblichen Unterhalt, sucht sie standesgemäß zu er-
nähren und zu kleiden. Das betrachtet er als eine
ernste und heilige Pflicht. In diesem Sinne schreibt
der heil. Chrysostomus: ‘„Der Mann soll für sein Weib
sorgen, wie auch Christus für seine Kirche gesorgt hat;
er weigere sich dessen nicht, wenn er auch um ihret-
willen alles Erdenkliche leiden müßte.“’
Und schon lange
vor ihm hatte der Weltapostel gesprochen: ‘„Die Männer
sollen ihre Weiber lieben wie ihre eigenen Leiber. Nie-
mand aber hat je sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern
er nährt und pflegt es, wie auch Christus die Kirche.“’

Darum trägt der christliche Mann mit freudiger Auf-
merksamkeit und Anstrengung Sorge für die angemessene
Nahrung, standesmäßige Kleidung und den sonstigen
Lebensbedarf seiner Frau. Besonders aber zu gewissen
Zeiten und wann dieselbe krank und leidend ist, wird
er mit noch größerer Liebe und Zuvorkommenheit für
sie besorgt sein.

Betrachtet man die anderen Geschöpfe, so muß man
staunen, wie selbst das vernunftlose Thier für sein
Weibchen und seine Jungen sorgt. Wer von uns hat
nicht schon die liebe Schwalbe oder andere Vöglein mit
Freude und Bewunderung in dieser Beziehung beob-

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