Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Der christliche Mann in seinem Glauben und Leben

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die Sünde zu meiden und die Tugend zu üben, kennen 
und zur Richtschnur seines Lebens machen lernen, wenn 
er Jahr aus Jahr ein durch Arbeiten am Sonntage 
sich abhalten läßt, die Predigt und christliche Lehre an¬ 
zuhören, wenn er des Sonntags wie an den übrigen 
Wochentagen sein ganzes Sinnen und Trachten dem 
Irdischen zuwendet? Wo soll sein Geist zu Gott und 
den himmlischen Gütern sich emporschwingen, wenn er 
die Schwellen des Hauses Gottes nicht mehr betritt? 
Wo soll er Muth und Kraft finden zum Widerstande 
in den Versuchungen, wenn er auch am Sonntage ob 
der Arbeit das Gebet versäumt, wenn er Jahre lang 
das Brod der Starken nicht mehr genießt? Wenn nun 
aber dem Menschen diese höhere Erkenntniß und Kräf¬ 
tigung abgeht, wenn anderseits die Feinde seines Heiles 
ihm allenthalben Schlingen legen; wenn er sich selbst 
aus freiem Antriebe immer tiefer in's Zeitliche, in die 
Sinnengüter und Sinnengenüsse versenkt, wie wäre da 
ein christlich tugendhafter Wandel möglich? Muß ein 
Solcher nicht von Tag zu Tag tiefer in die Knecht¬ 
schaft der Sinne und der Sünde fallen? muß er nicht 
mehr und mehr Schwierigkeit empfinden, sich aus dem 
Wuste der vergänglichen Dinge herauszuarbeiten? muß 
er endlich nicht gleichsam zum Thiere werden, das nur 
für das Sinnliche Augen hat? Da kann von einem 
tugendhaften christlichen Leben keine Rede mehr sein 
und ebenso wenig von einem genügsamen, glücklichen 
Leben. — Die Erde besitzt nicht Güter genug, um die 
gebieterischen Leidenschaften eines solchen Menschen zu 
Digtalisierungsvorlage 
 
 
Erzbi 
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
	        
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