§ 192. Dingliche Rechte und Eigenthum.
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dikation — die s. g. Proprietätsrechte — in sich, und zwar nicht als
besondere Befugnisse, sondern als Ausflüsse des einen Eigenthumes.
Das Eigenthum kann aber der ihm an sich zukommenden Befugnisse ¬
mehr oder weniger entkleidet sein. Oft ruhen Nießbrauchsrechte
auf der Sache, welche dem Eigenthümer die Nutzungen entziehen und
übrig lassen.
nur nacktes Eigenthum — nuda proprietas
Es giebt andere Einschränkungen, z. B. durch Veräußerungsverbote,
welche noch einschneidender wirken. Solche Beschränkungen häufen sich
unter Umständen der Art, daß die Eigenthumsbefugnisse völlig paralysirt
sind. Gleichwohl verliert das Eigenthum damit sein begriffliches Wesen
11 Es ist in solchen Fällen gehemmt, aber nicht abgestorben.
nicht
Denn die Vollgewalt des Eigenthumes tritt hervor, sowie die beschränkenden ¬
Befugnisse aus irgend einem Grunde erlöschen.12 13
Freies und unbelastetes Eigenthum ist wirthschaftlich und social
ein hohes Gut, schwer belastetes ein Mißstand. Gleichwohl lassen sich
Belastungen nicht ausschließen. Aber das römische Recht suchte durch
seine Konstruktion des Eigenthumsrechtes herbeizuführen, daß sich schließlich ¬
die Herrschaftsrechte über die Sachen wieder in einer Hand vereinigten. ¬
Zu diesem Zwecke legte es die Fähigkeit und das Bestreben
in das Eigenthumsrecht, zur vollen Sachherrschaft heranzuwachsen.
In altrömischer Zeit war das Eigenthumsrecht stets volles Herren9) ¬
l. 5 pr. D. si ususfructus petetur 7, 6, Ulpianus libro 17 ad edictum:
Uti frui jus sibi esse solus potest intendere, qui habet usumfructum, dominus
autem fundi non potest, quia qui habet proprietatem, utendi fruendi jus
separatum non habet. Aeltere Schriftsteller nehmen hiernach an, der Eigenthümer
habe zwar den ususfructus „causalis“ seiner Sache, nicht aber den ususfructus
„formalis“.
10) §§ 1 und 4 J. de usufructu 2, 4, Gaj. Inst. II § 30. l. 4 D. de jure
dotium 23, 3, l. 26 pr. D. de usu et usufr. leg. 33, 2, l. 126 § 1 D. de verb.
obl. 45, 1.
11) 1. 25 pr. D. de V. S. 50, 16. Paulus libro 21 ad edictum. Recte
dicimus eum fundum totum nostrum esse, etiam cum ususfructus alienus est,
quia ususfructus non dominii pars, sed servitutis sit, ut via et iter: nec falso
dici totum meum esse, cujus non potest ulla pars dici alterius esse, hoc et
Julianus et est verius. Ueber die Aussprüche der römischen Juristen „ususfructus
portionis instar obtinet“, „ususfructus in multis casibus pars dominii est“ vgl.
Dernburg, Pfandrecht Bd. 1 S. 132.
12) Man spricht in diesem Sinne von „Elasticität" des Eigenthums. § 4 J. de
usufructu 2, 4 Cum autem finitus fuerit ususfructus, revertitur scilicet ad proprietatem ¬
et ex eo tempore nudae proprietatis dominus incipit plenam habère
in re potestatem. Ygl. 1. 18 § 1 D. de pign. act. 13, 7. Paulus libro 29 ad
edictum. Si nuda proprietas pignori data sit, ususfructus, qui postea adcreverit, ¬
pignori erit.
13) Es giebt Fälle ruhenden Eigenthumes, d. h. eines solchen, welchem
jede gegenwärtige Wirkung fehlt, welches aber in der Zukunft wieder zu Kräften
kommen kann.