- 101 -dem -
guten, ehrlichen Willen aus ihrer unschuldigen Jugend
suchte sie den Herrn wieder; vor seinen Augen wollte sie
ihre Sünden beweinen, er sollte ihren kindlichen Glauben,
ihre kindliche Liebe und Reue mit eigenen Augen erkennen,
er sollte wissen, daß sie wieder das fromme, reine Kind
seines heiligsten Herzens werden wollte. Recht treffend
sprechen ja auch wir von Beichtvater und Beichtkind: Es
soll väterliche Weisheit, väterlicher Ernst, väterliche Liebe
und Güte über dem Beichtkind walten; dazu ist aber gefordert, -
daß dieses ein kindliches Vertrauen, kindliche Einfalt
und Demut, kindliche Offenheit an den Tag legt. Gerade
Kinderseelen finden am leichtesten Verständnis, ihnen kann
am schnellsten geholfen werden, sie werden am sichersten gebessert -
und geleitet. Auch gebildete Mädchen, auch solche
von sehr feiner Lebensgewohnheit, sollen bei aller äußern
Noblesse das kindliche Herz zeigen. Warum hat der Heiland
gerade die kindlichen Seelen so hoch gepriesen, warum hat
er gerade die Kindlichkeit gefordert als Bedingung zum
ewigen Leben: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder,
könnt ihr ins Himmelreich nicht eingehen"? (Matth. 19, 14.)
Weil solche Seelen für Wahrheit und Gnade am meisten
empfänglich sind. Und das ist gerade beim Empfang des
Bußsakramentes so überaus notwendig. Kindliche Seelen
erkennen den Stellvertreter Gottes als solchen, sein Wort
ist ihnen Gottes Wort, seine Beruhigung tut ihnen wohl,
sie glauben an seine Seelenkenntnis, unterwerfen sich gern
der Mahnung und der Strafe. Sie sind sich dessen bewußt,
daß ihr Seelenheil in Priesters Hand gut geborgen liegt,
sie wissen, daß er für sie denkt und über sie gerecht urteilt,
daß seine Ratschläge nicht leere Worte, sondern warme Herztöne -
sind, daß er sie aufrichten und weiterbringen will.
Kindliche Seelen sind auch zu größerer Reue, ja, leicht
zu vollkommener Reue fähig. Ein Zittern geht durch diese
empfindlichen Seelen, ein Zittern vor Gottes Gerichten, vor
seiner Strafe, die unbedingt abgebüßt werden muß, entweder
freiwillig oder durch Gottes Hand gefordert und vollzogen.
Ein gläubiges Beben vor der Strafe Gottes nach diesem
Leben, besonders vor der ewigen Hölle. Aber wahre Kinder¬Max-Planck-Institut -
für Bildungsforschung
ef
M.
jerungsvorlage
on