Von der Chescheidung.
2
eine noch traurigere Erfahrung kann ihn belehren, daß
er getäuscht worden sey, daß wahre Liebe nicht in dem
Herzen seines Gatten wohne, oder wohnen könne, daß
ihm das Gelübde gebrochen sey, um dessen willen er
das seinige gab. (
In beyden Fällen belehrt ihn die Erfahrung, daß
es an der wesentlichen Voraussetzung für die Ehe fehle,
dennoch aber ist in dem einen Falle sein Verhältniß ein
ganz anderes, als in dem anderen. In dem ersteren
Falle hat er sich selbst und dadurch den andern Gatten
getäuscht. Auf diese Täuschung erhielt er das Opfer
des Lebens seines Gatten. Der moralische Mensch kann
dieses Opfer nicht erhalten haben wollen, ohne von seiner
Seite dasjenige zu gewähren, wodurch es allein möglich
wird, daß sein Gatte sich in dem Opfer, welches er ihm
brachte, nicht selbst als erniedrigt erscheine, und da er
dieses nicht mehr aus Liebe gewähren kann, so wird er
es aus Freyheit gewähren,
er wird aus Freyheit sein
aus Liebe verbänden. Beyde
(2) Freylich ist es möglich
können sie daher nur nach diedaß =
Einzelne, den Namen der|
ser Voraussetzung behandeln
Ehe misbrauchend, sich gleich
und sie mögen es sich selbst zuAnfangs =
ohne Liebe verbinden.
schreiben, wenn man sie mit
Solche Leute können indessen
einer nachherigen Erklärung,
keine besondere Rücksicht for |
dern, denn sie musten doch auf
daß sie die Kirche und den
jeden Fall der Kirche und dem
Staat getäuscht hätten, nicht
hört.
Staate erklären, daß sie sich