Inhaltsverzeichnis : Ernsthaffte aber doch muntere und vernünfftige Thomasische Gedancken u. Erinnerungen über allerhand außerlesene juristische Händel (Th. 3 (1721))

mit  falschen  Denuncirungen  unschuldiger  Leute.
rio  meine  Gedancken  uͤber  des  Jani  Philadelphi  Schrifft  de  optima  Christianorum -
  secta  eroffnet,  und  dabey  in  den  5.8.  daselbst  folgendes  gemeldet:
Jedoch  kan  ich  dieses  nicht  bergen,  daß  ich  lieber  gewolt,  Janus -
  Philadelphus  hätte  seine  Meinung  von  denen  Mängeln  der
Protestirenden  Geistlichkeit,  und  sonderlich  der  Priester,  etwas
verb  uͤmter  gegeben,  nicht  daß  ich  ihn  beschuldigen  wolte
als  habe  er  hierinnen  unrecht  gehandelt,  sondern  weil  auch
unter  demjenigen,  so  mit  Fug  und  Recht  geschehen  kan,  um
terschiedene  grade  sind,  von  welchen  einer  besser  als  der  andre
ist,  und  viel  wackere  Leute  der  Meinung  sind,  daß  wenn  man
mit  der  Priesterschafft  zu  thun,  man  lieber  der  Sache  zu  wenig -
  thun,  als  sich  des  strengen  Rechts  gebrauchen  solte.  Solches -
  desto  besser  zu  verstehen,  kan  ich  nicht  umhin,  dem
Leser  einen  artigen  locum  aus  des  Mons.  de  la  Fontange  seiner
Voyage  par  les  Pays  Bas,  die  Anno  87.  zu  Amsterdam  gedruckt
worden,  zu  commuriciren,  massen  derselbe  uͤberaus  a  propos
kömmt,  und  das  Büchelgen  sehr  rar  ist.  Als  ich,  spricht  er
p.  264.  seqq.  Anno  72.  nach  L.  (ich  glaube,  daß  er  Leyden  meinet
kam,  kehrte  ich  bey  dem  Herrn  Socrate  ein.  Dieses  ist  ein  Mann
von  überaus  grossen  meriten/  der  nebst  einer  galanten  und  soliden -
  Gelahrheit  in  Geistlichen,  historischen  und  politischen  Wissenschafften -
  auch  eine  ungemeine  Klugheit  besitzet,  weßwegen
er  auch,  und  weil  er  seinen  Vaterlande  sehr  viele  nützliche
Dienste  eine  lange  Zeit  geleistet,  die  hoͤchste  Ehren=Stelle  in
besagter  Stadt  erlanget  hat,  und  von  jedermann  mit  gebuͤhrender -
  submission  geehret  und  geliebet  wird.  Mein  Vater  harte -
  in  seiner  Jugend  viel  Wohlthaten  von  ihm  genossen,  und
hatte  mir  ihn  dannenhero  für  andern  recommendiret.  Und  ich
muß  bekennen,  daß  ich  an  ihm  ein  rares  Exempel,  und  dergleichen -
  ich  sonsten  nicht  leichte  angemercket,  gewahr  worden.
Denn  ob  er  gleich  anfienge,  in  ein  hohes  Alter  zu  treten,  ich
aber  damahlen  in  der  besten  Bluͤthe  meiner  Jahre  war,  so  erwiese -
  er  mir  doch  so  viel  Höfflichkeit,  und  wuste  sein  Ehrwürdiges -
  Alter  mit  meiner  wenig  verständigen  Jugend  dergestalt
zu  temperiren,  daß  ich  des  Vergnuͤgens,  welches  ich  aus  seiner
Conversation  genossen,  nie  vergessen  werde.  Er  suchte  mich  zu
erfreuen  alle  dienliche  Mittel  herfür,  und  wiewohl  es  im
Winter  war  /  so  vergnügte  er  mich  doch  so  gut,  als  es  die  Jahrs=(Jur. -
  Händ.  III.  T.)
Zeit
Staatsbibliothek
Max-Planck-Institut  für
zu  Berlin
            
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