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bei Einbeziehung externer (meist historischer) Daten bildeten die Angaben der Befragten
immer die Grundlage für das Verständnis. Wie in den Abschnitten über die Verfahrensregeln noch im
einzelnen beschrieben wird, handelt es sich bei vielen editorischen Eingriffen um Verschiebungsbzw. -
Umsortierungsprozesse (von Daten auf Fallebene).
Zur Veranschaulichung seien hier einige Beispiele angeführt, die typisch sind für die Möglichkeit und
Berechtigung eines solchen Datentransfers.
In der Rekonstruktion ihrer Wohngeschichte vergaßen Befragte manchmal bestimmte (temporäre) Phasen
eines Orts- oder Haushaltswechsels zu erwähnen, die dann in der (im Interview zu einem späteren
Zeitpunkt behandelten) Erwerbsgeschichte auftauchten. Insbesondere wurden leicht Zeiten vergessen, in
denen Befragte zur Ausbildung (im Haushalt des Lehrmeisters oder im Heim) auswärts wohnten sowie
Tätigkeiten, häufiger noch „Dienste“ (wie Reichsarbeitsdienst, Kriegseinsätze), die sie an anderen als
ihren Heimatorten ausübten. Aufgrund der Frage nach „Kost und Logis", aber auch anhand des Berufsstatus, -
konnte leicht identifiziert werden, daß es sich hier um eine Phase handelte, die in die Wohngeschichte -
aufgenommen, das heißt aufgrund der vorhandenen Daten nachgetragen, werden kann.
Umgekehrt konnte auch die Wohngeschichte Aufschluß darüber geben, ob alle verschiedenen Arbeits
stellen im Erwerbsverlauf richtig nachgezeichnet waren. Bei häufigem Arbeitsplatzwechsel (in einer
gleichbleibenden Tätigkeit wie z.B. in der Landwirtschaft oder Gastronomie und in Privathaushalten)
konnte es schon vorkommen, daß Phasen vergessen, bzw. mehr Stellen zusammengezogen wurden. Über
Veränderung des Haushaltstyps oder der Wohnform oder vor allem durch Ortswechsel aufgrund beruflicher -
Veränderungen waren solche vergessenen Abschnitte des Erwerbsverlaufs dann aus der Wohngeschichte -
zu entnehmen
Der Vergleich der beiden (großen) Verlaufsteile bildete das wichtige Kernstück der Edition und
war oft ausschlaggebend für die Weiterbehandlung eines Falles. Mangelnde Synchronizität bedingte
meist eine Aussonderung des Falles und in der Regel Nachrecherchen beim Befragten, da auch die
übrigen Angaben bzw. weitere Fragenbereiche in Zweifel gezogen werden mußten.
Obwohl die Verlaufsteile eine besonders gute Möglichkeit zur Abgleichung von Daten bieten, sind
diese zwar zentral, aber nicht als die einzigen editorischen Anhaltspunkte zu sehen, vielmehr muß das
gesamte Datenpotential jedes Einzelfalles als Basis mit herangezogen werden, da - wenn auch in
unterschiedlichsten Verknüpfungen - fast alle einzelnen Angaben sich gegenseitig bedingen und
ergänzen sowie auch erklären können. Die Abbildung 1 auf der nächsten Seite versucht einen
Überblick über die Querverweise zu geben.
Zusammenfassend kann man die wichtigsten Voraussetzungen und Grundprinzipien dieses Editionsverfahrens -
auf eine Kurzformel bringen: kohortenspezifisch, einzelfallbezogen und bereichsübergreifend. -
Nur durch das Verständnis aller Zusammenhänge des individuellen Verlaufs konnten die
vielen Einzeldaten eines Falles quasi „evaluiert" werden. Insofern war die Edition auch eine notwendige -
Vorarbeit für die spätere Codierung, die - am Einzeldatum orientiert - diesen Prozeß der
Klärung nicht mehr leisten konnte.