Object : Berthollet, Claude-Louis: Über die Gesetze der Verwandtschaft in der Chemie

I.  4.  Gegenstand
verwandschaft  eine  unveränderliche  Kraft
von  solcher  Beschaffenheit  sey,  dass  ein  Stoff,
der  aus  einer  Verbindung  durch  einen  andern ¬
  abgeschieden  ist,  nicht  wieder  selbst
durch  den  verdrängten  Stoff  abgeschieden
werden  könne.  Man  hat  die  Idée  von  der
Unveränderlichkeit  dieser  Kraft  so  weit  getrieben, ¬
  dass  berühmte  Scheidekünstler  versucht ¬
  haben,  die  Wahlverwandschaften  der
verschiedenen  Stoffe  durch  Zahlen  vorzustellen, ¬
  welche  unter  einander  verglichen  ihre
Kräfte  ausdrücken  sollten,  und  zwar  unabhängig ¬
  von  der  vorhandenen  Menge.
Berth.  erinnert,  im  15ten  Abs.  man  könne  den  Ausdruck
Wahlverwandschaft,  als  Benennung  einer  Erscheinung,
nicht  einer  Kraft,  allenfalls  beibehalten.  Aber  diese  Erscheinung ¬
  ist,  nach  seinen  Untersuchungen,  die  Wirkung
mehrerer  Kräfte  und  Umstände,  und  jede  Hypothese  muls
daher  scheitern,  welché  sie  aus  einer  einzigen  und  unveränderlich ¬
  jedem  Stoff  inhärirenden  Kraft  ableiten  will.
Und  wenn  doch  die  Zahlen,  welche  besonders  Guyton
und  Richter  als  Repräsentanten  der  Wahlverwandschaften
aufstellen,  in  vielen  Fällen  den  Erscheinungen  Genüge
thun,  so  wird  man  bei  einer  vertrautern  Bekanntschaft
mit  Berthollets  Idéen,  nicht  nur  den  Grund  hiervon  finden, ¬
  sondern  auch  einsehen,  warum  gewisse  andere  Fälle
sich  unter  die  Hypothese  nicht  fügen  wollen.
5.  Ich  habe  mir  vorgenommen,  in  dieser
Abhandlung  zu  beweisen,  dass  die  Wahlver¬
            
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