Objekt : Lempert, Wolfgang: Konzeptionen zur Analyse der Sozialisation durch Arbeit

188  -von -
  betrieblicher  und  außerbetrieblicher  Moral  -  wird
weiter  unten  diskutiert  (vgl.  3.3.4,  3.3.5).
Sinnvoll  erscheint  die  Suche  nach  formalen  Begründungsstrukturen -
  moralischen  Urteilens  deshalb,  weil  sie  eher  zu
rationalen  Regelungen  menschlichen  Zusammenlebens,  die  der
Reflexion  und  Diskussion  standhalten  (HABERMAS,  1973  a,
S.  411-417),  zu  führen  versprechen  als  inhaltliche  Prämissen
(EDELSTEIN,  1975,  S.  22).  Aber  können  völlig  inhaltsfreie
Begründungsformen  moralischer  Entscheidungen,  die  per
definitionem  keine  bestimmten  Lösungen  sozialer  Konflikte
implizieren,  gesellschaftliche  Verhältnisse  wirklich  ordnen
helfen?  Wohl  kaum  (SIMPSON,  1974,  S.  93).  Wenn  soziale
Streitfragen  sich  auch  auf  den  höchsten  Stufen  des  moralischen
Bewußtseins  kontrovers  beantworten  lassen,  dann  ist  die
moralische  Urteilsfähigkeit  eher  ein  Mittel  zur  individuellen
Durchsetzung  als  ein  gesellschaftliches  Regulativ.
Jedoch:  Sind  die  Stufen  der  moralischen  Entwicklung  in  der
kognitivistischen  Psychologie  überhaupt  so  inhaltsfrei
konzipiert,  wie  es  die  erwähnten  Absichtserklärungen  nahelegen? -

Dagegen  sprechen  schon  die  im  vorigen  Abschnitt  referierten
-Untersuchungsbefunde -
  über  Zusammenhänge  zwischen  dem
Niveau  des  moralischen  Bewußtseins  und  der  faktischen  Bevorzugung
bestimmter  Verhaltensweisen  (vgl.  3.3.1).  Diese  Korrelationen
sind  zwar  nicht  sehr  hoch;  ihre  geringe  Höhe  ist  aber  durch
die  Wirksamkeit  weiterer  Handlungsdeterminanten  zu  erklären
(vgl.  3.3.1).  Unmittelbarere  und  damit  auch  stärkere
Beziehungen  zwischen  Struktur  und  Inhalt  sind  zu  erwarten,
wenn  man  Form  und  Inhalt  moralisch  relevanter  Aussagen
miteinander  korreliert.  Tatsächlich  wurden  in  mehreren  Erhebungen -
  relativ  große  Affinitäten  zwischen  der  moralischen
            
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