Volltext : Harras von Harrasowsky, Philipp: ¬Die Vorbereitung der mündlichen Verhandlung nach dem gegenwärtigen Stande der Civilprocessgesetzgebung

Vorwort.
Ueberall,  wo  eine  Gesetzesreform  vorbereitet  wird,  macht  sich
das  Bedürfniss  geltend,  in  den  Gesetzen  und  in  der  Litteratur  fremder ¬
  Länder  einen  Prüfstein  für  die  beabsichtigten  Aenderungen  zu
suchen,  und  es  wird  ein  besonderer  Werth  darauf  gelegt,  dieselben
durch  die  Hinweisung  auf  die  Erfahrungen  des  Auslandes  begründen ¬
  zu  können.
Diese  Richtung  der  Geister  ist  der  sorgsamsten  Pflege  in  hohem
Grade  werth,  denn  sie  kann,  von  den  Anforderungen  des  Weltverkehres -
  geleitet,  dazu  dienen,  den  sich  fühlbar  machenden  Rückschlag ¬
  gegen  eine  kosmopolitische  Anschauungsweise  zu  mildern,
und  vor  dem  Verfallen  in  das  entgegengesetzte  Extrem  nationaler
Einseitigkeit  zu  bewahren.
Auf  diesem  Wege  gelangt  man  vielleicht  dahin,  die  Gemeinsamkeit, ¬
  welche  zur  Zeit  der  Herrschaft  des  als  ein  Weltrecht  behandelten ¬
  gemeinen  Rechtes  durch  die  Litteratur  alle  Länder  verband, ¬
  in  denen  die  Gelehrtensprache  verstanden  wurde  —  wieder
zu  erringen.
Die  Erfolge,  welche  die  vergleichende  Rechtskunde  namentlich ¬
  durch  die  Bemühungen  Mittermaier's  bisher  erzielte,  sind  so
bedeutend,  dass  die  Annahme  nicht  unbegründet  erscheint,  es  werde
der  Vermittlung  der  Kenntniss  fremder  Rechte  eine  erweiterte  Aufgabe ¬
  gestellt  werden.
Man  dürfte  sich  nicht  begnügen,  die  Kenntniss  fremder  Rechte
bloss  zur  Unterstützung  legislatorischer  Arbeiten  zu  benützen;  die
Darstellung  fremder  Rechte  wird  einen  bleibenden  Platz  in  allen
Theilen  der  Rechtswissenschaft  beanspruchen.  Es  wird  dann  als
unzureichend  befunden  werden,  dass  nur  der  Rechtszustand  einiger
Länder  berücksichtigt,  und  hierbei  nur  auf  einzelne  gesetzliche  Bestimmungen ¬
  Bedacht  genommen  wird,  ohne  die  Erkenntniss  des
Zusammenhanges  derselben  zugänglich  zu  machen.
Die  Bestrebungen  dürften  vielmehr  dahin  gerichtet  werden,
die  Grenzen  der  Forschung  soweit  auszudehnen,  als  der  Weltver¬
            
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