Inhaltsverzeichnis : [Oekonomie... (cont.) Agronomie, oder die Lehre von den Bestandtheilen des Bodens. Agrikultur] (2)

XvI
Bemerkungen.
angemessenen  Boden  mehrentheils  gleichen  Scheffelertrag  mit  dem  Rocken  giebe,
saugt  den  Boden  bekanntlich  stärker,  wie  dieser  aus,  und  sehr  wahrscheinlich
nach  dem  Verhältnisse,  worin  er  den  Rocken  in  Ansehung  seiner  Schwere  und
seiner  nahrhaften  Theile  überwiegt.  Auf  Boden  also,  und  auf  einer  Stelle
wo  Weizen  überhaupt  paßt,  werden  wir  seine  Anziehung  —  40  Prozent  annehmen, ¬
  und  darnach  seinen  Ertrag  bestimmen  können.  Er  stehet  nämlich  in
dem  Verhältnisse  seines  Nahrungestoffes  gegen  den  Rocken  wie  13:  10,  seine  Anziehung ¬
  darnach  wie  39:  30.  Und  da  sie  noch  etwas  kräftiger  scheint,  so  nehmen
wir  40.  Die  Sömmerung  dagegen  ziehet  schwächer  an,  wie  auch  schon  nach  der
kürzeren  Zeit  ihrer  Vegetation  zu  vermuthen  ist.  Wir  können  für  selbige  nur
25  Prozent,  als  der  Wahrheit  nahe  kommend,  annehmen.  Ob  Gerste  oder  Hafer ¬
  stärker  aussauge,  darüber  sind  die  Meinungen  seit  jeher  getheilt  gewesen,  und
es  kömmt  dabei  wohl  auf  den  Zustand  des  Bodens  an.  Erstere  wird  stärker  ausfaugen, ¬
  wenn  der  Boden  die  Lockerung  und  Vorbereitung  erhalten  hat,  welche
diese  Frucht  erfordert,  indem  sie  nur  unter  dieser  Bedingung  vollständige  Ernten
giebt.  Der  Hafer  hingegen  hat  an  sich  eine  stärkere  Anziehungskraft,  und  auf
einem  zäheren  und  minder  bearbeiten  Boden  wird  er  mehr  aussaugen,  als  Gerste,
aber  auch  in  dem  Verhältnisse  eine  so  viel  stärkere  Ernte  geben.  Deshalb  nehmen
wir  sie  im  Durchschnitt  als  gleich  an.
Wollen  wir  nach  der  im  Boden  vorhandenen  Kraft  den  Ernteertrag  jeder
einzelnen  Frucht  bestimmen,  so  müssen  wir  überhaupt  auf  mehrere  Nebenumstände ¬
  Rücksicht  nehmen.  Eine  Frucht  wird  auf  Böden  von  gleicher  Natur  und
gleicher  Kraft  einen  höheren  Ertrag  geben,  wenn  jene  Nebenumstände  sie  begünstigen. ¬
  Dahin  gehört  denn  besonders  —  außer  der  Witterung,  die  wir  weder  in
unserer  Gewalt  haben,  noch  vorhersehen  können  —  eine  ihr  gerade  angemessene
Beackerung  oder  Vorfrucht,  und  Zerstörung  desjenigen  Unkrauts,  was  dieser
Frucht  besonders  zuwider  ist.  Diese  müssen  wir  also  im  Auge  behalten,  wenn  wir
einen  Voranschlag  des  zu  erwartenden  Ertrages  nach  der  Kraft  des  Bodens  und
der  Anziehungskraft  des  Getreides  machen  wollen;  denn  diese  Anziehungskraft
äußert  nur  ihre  volle  Wirkung,  wenn  ihr  nichts  entgegen  steht.
            
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