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dorbenheit mag übrigens noch so groß seyn; denn nie hört der Mensch
auf, Mensch, unser Bruder zu seyn. Eine fernere Eigenschaft,
welche bei dem Armenpfleger unerläßlich ist, besteht
5. in einem rastlosen Eifer, einer unermüdeten Thätigkeit und
bewährten Uneigennützigkeit im Berufsamte. Diese Eigenschaften
werden ihn über alle Schwierigkeiten hinwegführen, und ihn stark
machen gegen die Hindernisse, die ihm auf seinem Wege begegnen,
sie werden ihm neue Handlungsweisen an die Hand geben, wenn
die älteren nicht mehr förderlich seyn wollen; sie werden ihn lehren,
mit der Einfalt Geduld zu haben, gegen schwache und empfindliche
Charaktere nachsichtig zu seyn und gegen verhärtete Gemüther sich
liebreich und beharrlich zu betragen. Eine weitere vorzügliche Zierde
eines Armenpflegers ist
6. eine strenge Gewissenhaftigkeit und Unparteilichkeit in der
Erfüllung seiner Pflichten, namentlich bei der Erhebung der Dürftigkeit ¬
und der hieraus abzuleitenden Qualifikation des Armen für eine
Unterstützung oder Versorgung. Er soll das Interesse der Armen und
der zu ihrer Unterstützung oder Versorgung bestehenden materiellen
Kräfte stets vor Augen haben und immer ein heilbringendes Verhältniß ¬
zwischen dem Bedürfnisse und Beistande hervorzurufen suchen.
Da die Resultate der Amtsverrichtungen der Armenpfleger in gewisse
faßliche Formen eingekleidet werden müssen, um sie zur Kenntniß
der vorgesetzten Behörde zu bringen, so ist es
7. unumgänglich nothwendig, daß der Armenpfleger jenen Grad
der wissenschaftlichen Ausbildung und der mechanischen Fertigkeiten,
d. i. Lesen, Schreiben, Rechnen u. dgl. besitze, um seine Anträge,
welche der vorgesetzten Behörde zur Entscheidung vorgelegt werden
müssen, nicht allein gehörig begründen, sondern auch faßlich darstellen ¬
zu können.
8. Es ist zwar nicht unumgänglich nothwendig, jedoch wünschenswerth, ¬
daß der Armenpfleger mit allen diesen Eigenschaften
auch noch die des Wohlstandes verbinde, weil er, wenn er von Eifer
und Liebe für die gute Sache beseelt ist, einerseits materielle Hilfe
zu leisten im Stande ist, anderseits aber durch eben diese Eigenschaft ¬
nach dem gegenwärtigen Zeitgeiste bei den unteren Volksklassen ¬
in seinem Ansehen nur gewinnt.