Volltext : Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 49 = 2.F. 13 (1905))

Schadenszurechnung nach römischem und bürgerlichem Rechte. 431
Die beiden ersten Sätze enthalten nämlich eine fast wort-
getreue Wiedergabe der entsprechenden Institutionenstelle und
unterstützen mit den Worten „sfigwog avzolg iaziv ayqu-
tjsogar die glossatorische Auffassung durchaus. Nun aber biegt
die Paraphrase vom Originale plötzlich erheblich ab und zeigt
damit deutlich, daß ihr Verfasser die eklatante Unstimmigkeit
des Bärenbeispiels sehr wohl empfunden und versucht hat.
diesen Stein des Anstoßes fortzuräumen.
Daß der Bär auf der Flucht (sie) einen Schaden an-
gericktet hat. wird verschleiert, ebenso daß die Worte „quia
desinit dominus esse“ als der eigentliche und speziale Grund
der Klageversagung erscheinen. Die Paraphrase stellt es viel-
mehr so dar, als würde die Klage ganz allgemein deshalb ver-
sagt, weil eben ein fliehender Bär, also zufolge einer s^upvzog
aygiozyg, geschadet hat und als diente jene Spezialbegründung
nur zur Erklärung der vom Paraphrasten in Abweichung von
dem Institutionenverfasser erst eingefügten Zusatzes „öeä zovzo
de SL710V b ysyovtog“.
Nichtsdestoweniger wird es nicht zwingend auszuschließen *)
sein, daß der Paraphrast richtig zum Ausdruck bringt, was
der Institutionenverfasser hat sagen wollen. Sicherlich hätte
dieser zwar alsdann den Inhalt des entsprechenden Digesten-
titels falsch wiedergegeben. Dies allein würde uns aber nicht
davon befreien, seine doch mit Gesetzeskraft versehene Meinung
als maßgeblich für den römischen Rechtszustand anzuerkennen.
Aber andererseits: nicht was der Institutionenverfasser
hat sagen wollen, sondern was in der Institutionen-
stelle gesagt ist, bleibt das Entscheidende. Denn es spricht
r) Wahrscheinlicher ist mir freilich, daß die Jnstitutionenverfasser sich
über die Unstimmigkeit gar nicht klar geworden sind, und daß daher auch
aus diesem Grunde die Person deS Paraphrasten (trotz der für TheophiluS
zeugenden Scholien des 6. Jahrhunderts) nicht unter ihnen zu suchen ist.

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